Aus dem Amerikanischen von Manfred Allie. Als er zufällig eine Anzeige im "Spectator" liest, erkennt Stephen Glennard darin den Weg, ein neues Leben zu beginnen und die Hand der schönen Alexa Trent zu gewinnen. In seinem Besitz befindet sich etwas von höchstem Wert: Briefe, die ihm die große verstorbene Autorin Margaret Aubyn vor Jahren geschrieben hat. Alles, was er tun muss, ist sein schlechtes Gewissen beruhigen und ihre Briefe gegen einen hohen Vorschuss einem Verlag anbieten. Die Publikation von Mrs Aubyns Briefen wird ein großer Erfolg, das Buch ein Bestseller und der Gesprächsstoff der gehobenen New Yorker Gesellschaft, zu der Glennards neu erworbener Reichtum ihm nun Zutritt verschafft. Die Faszination der Leser liegt in der Anonymität des Mannes, den Aubyn so bewundert hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2004
Endlich, meint Rezensentin Renate Wiggershaus, liegt Edith Whartons 1900 erschienene Novelle "The Touchstone" auf Deutsch vor, in "kongenialer Übersetzung" und unter dem Titel "Der Prüfstein". Und wieder einmal, lobt die Rezensentin, schildert Wharton überzeugend, "wie tyrannische Konventionen Menschen Fesseln anlegen, ihnen ein glückliches Leben verwehren". In diesem Fall liegt der Geschichte ein recht "traditionsreiches Motiv" zugrunde: Um seine arme Geliebte heiraten zu können, verkauft der nur mäßig wohlhabende Stephen Glennard jene Liebesbriefe, die einst eine hochberühmte und bereits verstorbene Schriftstellerin an ihn gerichtet hatte, gibt sich jedoch dem Verlag gegenüber nur als Freund des Adressaten aus und tarnt das erhaltene Vermögen seiner Frau gegenüber als Erbschaft. In Whartons "kunstvoller und grandioser" Inszenierung, die "Zufall und Notwendigkeit" verquickt, gerät der Roman zu einem "Psychodrama von wahrhaft novellistischer Dynamik und atmosphärischer Dichte", dessen Stationen auf die Rezensentin wie eine "Wiederkehr antiker Motive im zeitgenössischen Gewand" wirken. Mit "Der Prüfstein", so das abschließende Fazit der Rezensentin, ist Wharton ein "Meisterwerk der Novellistik" gelungen, "das die Spannung eines Krimis mit der psychologischen Intensität eines Kammerspiels und der existenziellen Relevanz eines moralischen Disputs verbindet".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.11.2004
Lothar Müller ist begeistert: Eine "abgründige, hinreißend kühl geschriebene Novelle" einer klugen Autorin, die das Abhängigkeitsverhältnis der Protagonisten, in ihrer Mitte ein junges Paar, von Dämonen entwirft. Dämonen aus Papier: die Literatur und das Geld. Einem jungen Mann fehlen die finanziellen Mittel zum Heiraten, doch er besitzt unbekannte Briefe einer berühmten Autorin, in Liebe an ihn gerichtet. Er wird sie verkaufen und seine Ehe auf diesem Fundament errichten. Doch "die Verwandlung der Liebe in einen lukrativen Nachlass" birgt Risiken, ist ein Geschäft mit dem Teufel. "Zu den bösen Pointen der Erzählung Edith Whartons gehört, dass sie gut ausgeht", schreibt Müller. Gerne hätte man von ihm noch erfahren, ob die Novelle nach einem Jahrhundert erstmals in Deutsche übersetzt wurde.
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