Aus dem Amerikanischen von Christian Detoux. ine junge Frau braucht nach der Geburt ihres Kindes Erholung, meint ihr Ehemann und mietet ein Sommerhaus, damit sie zur nötigen Ruhe kommt. Die junge Mutter fühlt sich wohl in dem schönen Haus, einzig der Raum mit der gelben Tapete bereitet ihr Unbehagen. Die in sich verschlungenen Muster scheinen von Tag zu Tag bedrohlicher und flößen ihr Angst ein. Was nur verbirgt sich hinter der Tapete?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.01.2019
Maike Albath liest Charlotte Perkins Gilmans Kurzgeschichte als Zeugnis weiblicher Selbstermächtigung. Die kulturgeschichtliche Bedeutung und soziale Sprengkraft, die in ihrer Wiederentdeckung im Zuge der Frauenbewegung der sechziger Jahre gipfelte, tritt laut Albath sogar dahinter zurück. Wie die Autorin im Jahr 1892 von der postnatalen Depression ihrer Figur erzählt, die der Gatte vorsorglich in ihrem Zimmer einsperrt, hat für Albath einerseits Horrorelemente à la Edgar Allan Poe, andererseits den sachlichen Ton der Innensperspektive.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2018
Rezensentin Angela Schader hätten biografische Informationen über die Autorin die Lektüre versüßt. Hätte sie so doch erfahren können, dass Charlotte Perkins Gilman als Malerin und Gestalterin arbeitete, dass sie in der Erzählung eine eigene Depression verarbeitete. Der zweisprachige Band lässt Schader ahnen, was ein schnöder Wandbehang bei einer gequälten Seele anrichten kann. Allein die Schilderung der Tapete, der sich die Heldin im Text ausgeliefert sieht, lohnt laut Schader die Lektüre. Virtuos, wie die 1860 geborene Autorin ihr Motiv auf so diabolische Weise entwickelt, meint Schader.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.08.2018
Judith von Sternburg freut sich sehr über die Veröffentlichung von Charlotte Perkins Gilmans Roman von 1892 bei Dörlemann. Die zweisprachige Ausgabe bietet ihr die Möglichkeit, die idiomatische Eleganz der Übersetzung von Christian Detoux zu würdigen. Spannend scheint ihr der Text in der Tradition der englischen Gothic Novel seines lapidaren Tons wegen, in den die Autorin die geschilderte Verstrickung der von ihrem Gatten zur Genesung nach einer Geburt in ein Landhaus verbrachte Heldin in den Wahn kleidet. Dass hier eine Frau nicht Handlungsobjekt, sondern beobachtendes Subjekt ist, findet Sternburg gleichfalls bemerkenswert. Das sich in Gestalt einer Tapete zeigende Grauen bleibt rätselhaft, erklärt die Rezensentin, womöglich existiert es überhaupt nur in der Hässlichkeit des Wandschmucks oder aber in der Vorstellung der Figur. Gilmans "Spiel mit Verzweiflung und Konvention" findet Sternburg jedenfalls reizvoll.
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