Martha Gellhorn

Das Wetter in Afrika

Novellen
Cover: Das Wetter in Afrika
Dörlemann Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783908777465
Gebunden, 287 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow. Nach dem Tode seiner Frau Sue beschließt Luke, sich zu Tode zu trinken. Zuvor verkauft er seine Farm an den menschenscheuen Ian, der hier sein Glück findet. Bis er Grace begegnet. Grace liebt weder Ian noch das Land, sondern nur sich und das Geld und sie hasst die Watu. Martha Gellhorn, die zeitlebens eine große Liebe für Afrika empfand, fängt die Atmosphäre auf den Plantagen, die Stimmen der Europäer und der Watu, aber auch die dunklen Spuren der Kolonialherrschaft in ihren drei Novellen ein. Sie setzt nicht nur Afrikas Bewohnern ein literarisches Denkmal, sondern auch der geheimnisvollen Schönheit der Natur, die "älter als die Zeit" zu sein scheint.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.12.2008

In Meike Fessmanns Augen ist Martha Gellhorn eine Schriftstellerin, deren Werk sich vor allem durch ihren Lebensweg erschließt. Als Reporterin, weiß die Rezensentin, bereiste Gellhorn über fünfzig Länder und gründete mehr als zwanzig Mal ein neues Zuhause. So erkennt Fessmann auch in den vorliegenden Novellen Seelenbilder von Menschen, die "aus allen Zusammenhängen herausgerissen" wurden. Doch richtig stark findet sie nur die mittlere der drei in diesem Band versammelten afrikanischen Erzählungen; in der Novelle "Am Meer", findet sie all die "kühle Bitterkeit", die sie an Gellhorn so schätzt, sowie ein geschicktes Spiel mit dem trügerischen Wohlbehagen. Die beiden anderen Novellen sind für Fessmanns Geschmack etwas "überfrachtet", so dass sie in ihnen die Skizzen für einen Roman vermutet, für den der Autorin letztlich der lange Atem fehlte. Extra-Lob geht an die "vorzügliche" Übersetzung Miriam Mandelkows.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.12.2008

Elisabeth Raether lässt keinen Zweifel an ihrer Wertschätzung für Martha Gellhorn als politischer Journalistin und Kriegsberichterstatterin, mit der Prosaautorin Gellhorn kann sie dagegen wenig anfangen. Der nun mit 24-jähriger Verspätung auf Deutsch erschienene Band mit Afrika-Erzählungen macht in den Augen der Rezensentin eindrücklich klar, wie die in ihren Reportagen so fruchtbaren Eigenschaften wie radikale Subjektivität und unerschütterliche moralische und politische Standpunkte den Erzählungen das Wasser abgraben. Die Geschichten spielen in Kenia in den 50er und 60er Jahren und die Rezensentin fragt sich, warum eigentlich, da die turbulenten politischen Ereignisse dieser Zeit lediglich als Kulisse dienen. Raether stören die "holzschnittartigen" Figurenzeichnungen, über die sich schon einige Kritiker mokiert haben, und wundert sich über die vielen Klischees und die undifferenzierte Aufteilung der Charaktere in Gut und Böse.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2008

Martha Gellhorn wurde als Kriegsreporterin berühmt, freilich lässt keiner, der über sie schreibt, ihre Ehe mit Ernest Hemingway unerwähnt. Wie sehr Gellhorn auf eigenen Füßen stand, als mutige und originelle Reporterin und als Erzählerin auch, das versucht der Zürcher Dörlemann-Verlag mit einer Ausgabe ihrer Werke zu belegen. Mit den hier versammelten Erzählungen, die alle in Afrika spielen, gelingt dies, meint die Rezensentin Sandra Kegel, jedenfalls zum Teil. Durchaus lesenswert seien die Geschichten, wenngleich nicht perfekt. Krieg sei auch hier immer Thema, und sei es auf dem privaten "Schlachtfeld" zwischenmenschlicher Beziehungen. Allerdings geraten, bemängelt Kegel, die Beschreibungen der postkolonialen Welt in ihrer Figurenzeichnung regelmäßig etwas didaktisch und "holzschnittartig". Dies werde aber durch die großartigen Schilderungen der afrikanischen Landschaft "in all ihren schillernden Facetten" immer wieder aufgewogen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2008

Angela Schader zeigt sich erfreut über diesen Erzählband der 1998 verstorbenen US-Schriftstellerin und Kriegsreporterin Martha Gellhorn. Drei Novellen finde man darin, die sich um gegensätzliche Paare drehen, berichtet Schader. Alle spielen in Afrika, dem "mächtigsten Akteur" des Bandes, wo die Figuren auf ihre eigenen Grenzen und Vorurteile stoßen, so die Rezensentin. Während in der ersten Erzählung zwei ungleiche Schwestern nach langer Zeit in Afrika wieder aufeinander treffen und feststellen müssen, dass ihnen trotz aller Unterschiede ein ähnliches Schicksal beschieden ist, verfolgt die zweite Erzählung eine weiße Frau, die sich nach Kenia flüchtet, um mit dem Tod ihres Kindes fertig zu werden. In der dritten Geschichte geht es um ein britisches Ehepaar, das ein farbiges und ein weißes Kind adoptiert. Obwohl die Erzählmuster und Charakterprofile auf Schader schlicht wirken und "im einfachen Raster des Märchens verhaftet" bleiben, lobt sie Gellhorns Thematisierung von Vorurteilen und der afrikanischen Gesellschaft. Vor allem, so Schader, schaffe es die Autorin, die "Grenzziehungen" zwischen Schwarz und Weiß auszuloten, indem sie ihre Figuren die reale Macht von Klischees spüren lässt. Dabei nehme Gellhorn auch die politischen Umbrüche nach Ende der Kolonialzeit in den Blick.
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