Die französischen Vorstadtunruhen im Herbst 2005 hatten die Debatte über Integration und Zuwanderung neu entfacht, sie hat seither an Schärfe hinzugewonnen. Diskussionen über "gescheiterte Integration", "Ghettoisierung" und "Parallelgesellschaften" bringen die Idee der multikulturellen Gesellschaft in Verruf. Auf Grundlage einer qualitativen Studie entwickelt der Autor eine soziologische Perspektive zu konfliktreichen Beziehungen zwischen den jeunes de banlieue und ihrer gesellschaftlichen Umwelt. Dabei gewährt er Einblick in eine Konfliktdynamik, die zur Verhärtung antagonistischer sozialer Beziehungen zwischen jüngeren Zuwanderergenerationen und Teilen der Aufnahmegesellschaft führt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2011
Protest, ob gewaltsam, wie momentan in England, oder friedlich, wie in Spanien, hat einen Grund. Mit Hilfe der soziologischen Dissertation von Eddie Hartmann gelingt es Stefan Schulz, diesen hinter den massenmedial vermittelten Realitäten zu erkennen. Zwar befasst sich Hartmann in seiner empirischen Studie mit den Unruhen in der Pariser Banlieue Ende 2005, laut Schulz stellt er jedoch die richtigen Fragen, um das Phänomen der gesellschaftlichen Ausgrenzung von "negativ Privilegierten" und seine Folge zu analysieren. So fragt der Autor nach dem Wesen von Integration und Partizipation und dem Verhältnis von Identität und Stigma (dies im Rückgriff auf Thesen Erving Goffmans und Charles Tillys). Dem Rezensenten bescheren sie die Einsicht in empirisch feststellbare Konstanten. Die vielleicht wichtigste lautet: Gesellschaftliche Asymmetrie verweist auf eine soziale Beziehung zwischen Ausgeschlossenen und Ausschließenden und nicht so sehr auf ethnische Konflikte oder Gettoisierung.
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