Das Verhältnis zwischen Schulen und muslimischen Elternhäusern ist belastet, wenn nicht zerrüttet. Viele Lehrer reagieren ungehalten auf Muslime, die nur selten als Bereicherung empfunden werden. Die Eltern fürchten Diskriminierung und die Entwertung der Religion. Konflikte um Schwimmunterricht und Klassenfahrten sind nur der sichtbarste Ausdruck dieser Spannungen. Im Rahmen des Projektes "Brücken im Kiez" haben Werner Schiffauer und sein Team einen Dialog zwischen Eltern, Vertretern von Moscheegemeinden und Lehrern initiiert und versucht, einen Lernprozess in Gang zu setzen. Jenseits aller Klischees von Parallelgesellschaften und Integrationsverweigerung zeigen sie auf, wo konkret die Hürden für ein besseres Miteinander liegen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2016
Am Ende der "zähen" Lektüre ist Regina Mönch froh über das Neutralitätsgebot an Schulen. Ob das das Ziel des Kulturanthropologen Werner Schiffauer war, kann bezweifelt werden. Denn Schiffauer wollte eigentlich Brücken bauen zwischen muslimischen Schülern, Eltern und Islamverbänden einerseits und der säkularen Pädagogik andererseits. Laut Mönch bringt die Darstellung der Eltern als Opfer, der Pädagogen als überlegene Staatsvertreter das Projekt jedoch von Anbeginn in Schieflage. Die im Band dokumentierten Diskussionen scheinen ihr mühsam und kleinteilig, so wenn es um Wurstbrote halal geht. Dass ausgerechnet die salafistische Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln Teil des Projektes gewesen ist, scheint Mönch zudem fragwürdig. Unter anderem, da Schiffauer hier allzu wertfrei und oberflächlich agiert, wie die Rezensentin findet. Der allesverstehende Autor geht ihr sichtlich auf die Nerven, zumal seine beobachtende Teilnahme ihr keine Aufklärung bietet und die Ursachen von Segregation nicht in den Blick nimmt.
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