Aus dem Slowenischen von Klaus-Detlef Olof. Am 1. Januar 1938 führt eine Dienstreise Josef Erdmann in seine Geburtsstadt Maribor, das ehemalige Marburg a. d. Drau. Das vergebliche Warten auf einen Geschäftspartner wird für ihn zu einer Suche nach Orten seiner Kindheit sowie zu einer Verkettung schicksalshafter Begegnungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.02.2012
Rezensent Karl-Markus Gauß freut sich, dass Drago Jancars bereits 1984 veröffentlichter Roman "Nordlicht" nun in einer gelungenen Übersetzung vorliegt. Gauß erlebt hier nicht nur die düstere Stimmung in der slowenischen Stadt Maribor, in der die zerrissene Bevölkerung im Jahre 1938 unter dem blutroten Leuchten des Nordlichtes den drohenden Einmarsch der deutschen Wehrmacht erwartet, sondern begleitet auch Jancars zerrütteten Protagonisten Joseph Erdmann von einem – von Jancar herausragend beschriebenen – Rausch zum nächsten, der abwechselnd ausgelöst wird von hemmungslosen Saufgelagen und seiner Liebe zur verheirateten Marjeta. Tief beeindruckt ist der Rezensent allerdings auch von der Vielzahl an Nebenfiguren, die der Autor in ihrem persönlichen und moralischen Verfall angesichts der drohenden politischen Katastrophe porträtiert. Selten hat der Kritiker einen so kunstvollen Roman über "eine Welt am Abgrund" gelesen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2012
Spürbar fasziniert ist Hans-Peter Kunisch von diesem frühen Roman Drago Jancars, der nun nach dreißig Jahren in deutscher Übersetzung erscheint. Der Rezensent schätzt den einst als slowenischer Präsident gehandelten Schriftsteller als klugen und klaren politischen Essayisten und ist deshalb von der existentialistischen Düsterkeit des Romans zunächst überrascht. Der Handlungsreisende Erdmann trifft 1938 in seiner einstigen Heimatstadt Maribor ein und gerät in gefährliche Gesellschaft, am Ende ist er in eine Affäre mit einer verheirateten Frau verstrickt und wird eines Mordes bezichtigt, erfahren wir. Während er den existentiell verunsicherten Erdmann in eindrücklicher Verlorenheit zeichnet, kommt fast unmerklich der historische Kontext mit seinen tief greifenden gesellschaftlichen Zerwürfnissen in den Blick. Gekonnt arbeitet der Autor hier mit zwei Erzählebenen, lobt der in den Bann gezogene Kunisch.
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