Domenico Starnone

Via Gemito

Roman
Cover: Via Gemito
Haymon Verlag, Innsbruck 2005
ISBN 9783852184760
Gebunden, 445 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Gerhard Kofler. Der in Neapel geborene und in Rom lebende Autor erzählt von seinem Vater und taucht dabei in seine Kindheit ab. In dem mehrfach ausgezeichneten Roman kommt vieles zur Sprache: Evakuierung im Krieg, Not und Überlebenskampf bei Kriegsende und in der Nachkriegszeit, dunkle Geschäfte, soziale Strukturen und das bunt-faszinierende Leben in Neapel, Zusammenhalt und Streit in einer typisch süditalienischen Großfamilie. Vor allem aber geht es um Lebenslust, Enttäuschungen und zorniges Aufbegehren einer einzigartigen Vaterfigur.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2005

Als schlichtweg "beeindruckend" charakterisiert Rezensent Franz Haas diesen Roman, der eine autobiografisch fundierte Kindheitserinnerung des Autors darstelle. Beeindruckt zeigt sich der Rezensent sowohl gegenüber dem Stoff des Romans - ein "bewunderter" und zugleich "verhasster Vater" vor dem Hintergrund eines "abschreckend schönen Porträts" der Stadt Neapel - als auch gegenüber Starnones erzählerischem Verfahren. Nach dem Tode des Vaters kehre der Sohn und Erzähler in die "Strassen seiner Kindheit" und insbesondere in Via Germito zurück. Aus dieser zeitlichen Perspektive und mit misstrauischem Blick auf die "Niedertracht des Gedächtnisses", erzählt der Rezensent, entfalte der Autor mit dem Erzähler einen "herzzerreissend negativen Künstlerroman". Der Vater sei nämlich ein verkannter Maler gewesen, zumindest einer, der nie seiner leidenschaftlich großspurigen und diktatorischen Natur entsprechend von seiner Umwelt wahrgenommen wurde, außer von den Leidtragenden in seiner Familie. Neben aller Tyrannei und Schlägen habe der Vater dem Sohn aber auch ein gewissermaßen künstlerisches Vermächtnis mitgegeben, denn beide würden die "Kehrseite der Stadt" erzählen. Nicht vom Golf und Vesuv und vielleicht der Oper, sondern von den stinkenden Gassen und dem Leben der allereinfachsten Menschen rings um die Via Germito.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.2005

Wohlwollend, aber auch kritisch bespricht Maike Albath den autobiografischen Roman von Domenico Starnone, der darin seine Kindheit in Neapel und die Beziehung zum bewunderten und verhassten Vater aufarbeitet. Das große Plus des Romans: Starnone seziert süditalienisches Machotum und das typische "theatralische Gebaren" mit großer Präzision und "vermittelt das, was die Gepflogenheiten neapolitanischer Familien ausmacht". Und die Erinnerung, die den Erzähler beim Gang durch die alten Straßen überwältigt, ist von geradezu "drängender Plastizität". Doch leider, fügt die Rezensentin hinzu, wird gerade die Wucht und Lebendigkeit der Erinnerung etliche Male durch allzu viel gediegene Reflexion gestört. Außerdem neige Starnone dazu, "wie ein Kaninchen in der Falle starr den Vater zu fixieren", den Gott und Tyrann. Dennoch: eine lohnende Lektüre.
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