Mit 10 s/w-Fotografien von Ute Mahler. Wenn der Staat DDR kritisiert wird, fühlen sich oft auch die Menschen kritisiert, die in ihm gelebt haben. Das macht Gespräche innerhalb von Familien über ihr Leben in der DDR so schwierig. Viele schweigen bis heute, doch in ihrem Schweigen wächst die Wut. Auf Initiative der Filmemacherinnen Sabine Michel und Dörte Grimm wagen Kinder und Eltern aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen erstmals eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Diese Gespräche ermutigen, neu und ohne Vorwürfe miteinander ins Gespräch zu kommen. Zugleich helfen sie, aktuelle politische Entwicklungen in Ostdeutschland anders und besser zu verstehen, in dem sie den Blick öffnen für die Spätfolgen des Lebens in insgesamt drei politischen Systemen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2020
Rezensentin Viktoria Großmann wird das Gefühl nicht los, dass die Dokumentarfilmerinnen Dörte Grimm und Sabine Michel eher Trennendes vertiefen als Verbindendes hervorheben in ihren Gesprächen mit Wendekindern und ihren Eltern. Schon der Umstand, dass die Gesprächsteilnehmer anonym bleiben, "als seien sie Geheimnisträger", fällt Großmann störend auf. Und dass sich Lehrerin und Stasi-Vater, Reichsbürgerin und Schuldirektorin uneins sind, wie die Gespräche offenbaren, möchte die Rezensentin nicht allzu spezifisch transformationsbiografisch deuten, dergleichen passiert auch im Westen, meint sie. Als Beitrag der Erinnerung an Trabi und Wochenkrippe taugt der Band laut Rezensentin aber immer noch besser als der Film mit dem ähnlich lautenden Titel.
Dieser Band zeichnet Gespräche auf, die ostdeutsche Familienmitglieder über ihre Wendeerfahrungen miteinander geführt haben, erklärt Rezensentin Anja Maier. Für sie haben die Dialoge viel Neues zutage gebracht, da die erlebten Brüche in den Bemühungen, sich an die Westverhältnisse anzupassen, oft totgeschwiegen wurden, wie sie erfährt. Die Autorinnen verstehen ihr Projekt der Kritikerin zufolge als Versuch, diese Umbruchserlebnisse sichtbar zu machen, denn schließlich treibt laut Umfragen vor allem das Gefühl, nicht gehört zu werden, viele ehemalige DDR-Bürger in die Arme von Pegida und Co.
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