Dietz Bering

Die Epoche der Intellektuellen

1891-2001
Cover: Die Epoche der Intellektuellen
Berlin University Press, Berlin 2010
ISBN 9783940432919
Gebunden, 756 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

In Deutschland kam es erst nach 1945 zu einem positiven Verständnis von Intellektueller. In der Gruppe 47 und durch die Spiegel-Affäre zu Kräften gekommen, konnte er im Deutschen Herbst 1977 die offene Feldschlacht wagen. Sein Ende nahte erst, als die Postmoderne und die Umwälzungen von 1989 die Basis der Intellektuellen zerbrachen: den festen Besitz universeller Werte, gestützt von durchgreifenden Theorien. Bering konstatiert: Nie waren die Intellektuellen lebenswichtiger als in dem Moment, als sie totgesagt wurden. Denn gerade da schuf die Globalisierung Probleme ungeahnten Ausmaßes.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.07.2011

Kenntnisreich scheint Jörg Später dieses Werk über die "Epoche der Intellektuellen" von Dietz Bering. Es basiert auf einen Buch, das der Autor vor dreißig Jahren verfasst und jetzt in wesentlichen Teilen erweitert und weitergeschrieben hat. Im "alten" Teil, von der Dreyfus-Affäre bis zur Zwischenkriegszeit, wird nach Ansicht des Rezensenten deutlich, dass Vorbehalte gegenüber den Intellektuellen in Deutschland - anders als in Frankreich - sehr weit verbreitet waren und zwar von rechter wie von linker Seite. Der Intellektuelle sei als verbildet, jüdisch, zersetzend, wurzellos, großstädtisch diffamiert worden. Für den Rezensenten kreist dieser erste Teil vor allem um die autoritäre Mentalität vieler Deutscher in der Zwischenkriegszeit und um die Frage, warum Weimar gescheitert ist. Im "neuen Buch", das die Zeit von 1945 bis 2001 umfasst, findet Später den Aufschwung des Intellektuellen in den 1950er Jahren geschildert, seine Blüte in der Ära Brandt, die Anfeindungen durch Franz-Josef Strauß und Co. im Deutschen Herbst und seinen durch die Postmoderne eingeleiteten Niedergang. Die Hoffnung Berings auf eine Wiederkehr des Intellektuellen scheint ihm ein "frommer Wunsch". Denn: "das Schicksal des Kulturgutes 'Intellektueller' war es, dass es zur Ware geworden ist".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2010

Rezensent Daniel Jütte hat dieses Buch mit Gewinn gelesen. Es hat zwar Längen, wendet er ein, und es greift auch auf zurückliegende Studien des Autors schon aus den siebziger Jahren zurück. Aber mit dem Intellektuellen, diesem im Grunde von Anfang an für tot erklärten Wesen, beschäftigt man sich doch immer wieder gern. Jütte zeichnet die Biografie dieses Fabelwesens nach und orientiert sich dabei eng an Berings Entwurf: Geprägt wurde der Begriff in der Dreyfus-Affäre als Schimpfwort, dann folgte der Hass der Nazis, dann die positive Aufladung des Begriffs in der 68er-Zeit und das lässige Abschiedswinken Foucaults und Lyotards in der Postmoderne: All das kommt vor. Es ist "das Werk eines sehr belesenen Autors", resümiert Jütte zufrieden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2010

Rainer Blasius stellt sehr eingehend das Buch von Dietz Berling über die "Epoche der Intellektuellen 1898-2001" vor, das er nicht zuletzt wegen seiner Zitatenfülle als Gewinn für den mit dem entsprechenden Wissenshintergrund ausgestatteten Leser lobt. Akribisch geht der Rezensent dem chronologischen Gang des Autors durch die Entwicklung des Intellektuellenbegriffs von seiner Erfindung in Frankreich während der Dreyfus-Affäre über seine negative Besetzung bei dden Nationalsozialisten und Marxisten, seine positive Aufwertung in der Nachkriegszeit und seinen Bedeutungsverlust seit den 70er und 80er Jahren nach. Ohne dezidiertes Lob aber auch ohne Einwände fasst Blasius die Darstellung des Autors zusammen, nur  über den Begriff des Intellektuellen im Kontext von DDR und Wiedervereinigung hätte er sich etwas mehr gewünscht, wie er verlauten lässt.