Wolf Lepenies

Warum war Henry James so schlechter Laune?

Geistesarbeiter und ihre Freunde
Berlin University Press, Berlin 2007
ISBN 9783940432063
Gebunden, 207 Seiten, 19,80 EUR

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Leise Ungeduld ist in der Besprechung Hans Ulrich Gumbrechts zu spüren. Zunächst stellt er kommentarlos fest, dass es sich bei dem "Geistesarbeitern", die Lepenies porträtiert, durchweg um Männer handelt, und teilt mit, dass fast alle 18 Porträts als Festreden oder Ansprachen entstanden sind. Gespickt mit hochgebildeten Anspielungen und entlegenen Zitate präsentieren sich besonders die Anfänge der Porträts - Lepenies macht sie zum Rätselspiel, von dem er annehmen kann, dass seine Zuhörer und Leser es verstehen, so Gumbrecht etwas enerviert, wie es scheint. Auch die wiederholt gestellte, gewitzte Frage, von wem ein Zitat mit Sicherheit nicht stammt, findet er zwar gelegentlich amüsant, in der Häufung dann aber wieder allzu routiniert. Überhaupt gibt sich der Autor für seinen Geschmack zu "geistreich" und kunstvoll, denn das kann leicht ins Kalauernde kippen, wie Gumbrecht zu bedenken gibt. Der unbedingte Wille zur Schlusspointe stört den Rezensenten ebenfalls und vom Abdruck eines Textes aus den achtziger Jahren, in dem der Autor mit zwanghaftem Witz die "nouvelle cuisine" mit der "nouvelle philosopie" vergleicht, hätte der Rezensent dringend abgeraten. Zumindest lobt er nachdrücklich das Talent des Autors für treffende Komposita und hat auch so manches gelungene Wortspiel gefunden. Bei der Geistesarbeiter-Galerie, die man doch wohl als eine Art Kanon verstehen muss, wie Gumbrecht meint, stört ihn allerdings irgendwie die penetrante "Rechtschaffenheit" aller Porträtierten. Die Tatsache, dass Lepenies das Porträt Sartres gänzlich entgleitet, sieht er dann auch dem Mangel Sartres an eben dieser Eigenschaft geschuldet.