Videoüberwachung produziert Bilder, in Hollywood-Filmen wie "Der Staatsfeind Nr. 1" oder "Die Truman Show" werden die Kameras aber auch selbst zum Bild; den Police-Song "Every Breath You Take" kann man als Hymne der Sicherheitsfetischisten interpretieren und Michel Foucaults "panoptische Gesellschaft" muß angesichts technologischer Fortschritte neu gedacht werden. Diese kulturwissenschaftliche Studie über Videoüberwachung und ihre medialen Repräsentationen führt von 1667, als der "Sonnenkönig" Louis XIV. die Straßenbeleuchtung zentralisieren ließ, bis in die Gegenwart, in der gesichtserkenne Systeme Täter aus der Menge fischen sollen, Bürgerrechtler zur Überwachung der Überwacher aufrufen und Passanten vor echten Videokameras falsches Theater spielen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
Dem Versprechen von Sicherheit nimmt das Buch die Glaubwürdigkeit, meint Rezensent Milos Vec. Die von Dietmar Kammerer vorgeschlagene Lesart der Videoüberwachung als Vorgang zur "Selbstaufhebung der Bilder" lässt er sich gefallen. Derart geschmeidig bewegt der Kulturwissenschaftler Kammerer sich zwischen Historie, Theorie und aktueller Praxis und derart brillant formuliert er laut Vec, dass unser Rezensent nicht zu sagen vermag, wo sonst er soviel Sachkunde und kritischen Geist gegen die Technik und die mit ihr verbundenen Gemeinplätze schon hat aufbegehren sehen. Nicht nur bezüglich Technik und Organisation, auch in kriminalistischer Hinsicht meldet der Autor für den Rezensenten höchst nachvollziehbar Zweifel an (am Beispiel des Mordfalls James Bulger) und führt den drohenden Übergang zur Kontrollkultur auch auf Machtverhältnisse zurück, "die sich nicht in Frage stellen lassen wollen".
Mit ihrem eleganten Duktus und ihren zahlreichen Beispielen kommt Dietmar Kammerers Studie zur Überwachung bei Ines Kappert gut an. Der Kulturwissenschaftler Kammerer widmet sich darin eingehend der Tatsache, dass die Videoüberwachung immer weiter ausgebaut wird, obwohl längst erkannt - und oft genug auch aus berufenem Mund zugegeben - wurde, dass diese weder Verbrechen verhindern noch wesentlich zu ihrer Aufklärung beitragen könne, berichtet die Rezensentin. Spannend findet sie auch die Begründung, die Kammerer für die dennoch ungebrochene Attraktivität der Kameraüberwachung findet: Die eingefangenen Bilder suggerierten dem Betrachter ein Allmachtsgefühl, indem sie diese "die Zukunft nachträglich voraussehen lässt". Kammerer bekommt Kapperts Beifall dafür, dass er das Thema zwar in einen kulturellen Diskurs eingliedert, es aber nicht entpolitisiert habe. Die spürbare Faszination der Rezensentin belohnt dies.
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