Delphine Minoui
Badjens
Roman

Orlanda Frauenverlag, Berlin 2025
ISBN 9783949545795
Gebunden, 144 Seiten, 21,00 EUR
ISBN 9783949545795
Gebunden, 144 Seiten, 21,00 EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Astrid Bührle-Gallet. Mitten im Aufstand "Frau, Leben, Freiheit" klettert die sechzehnjährige Iranerin Badjens bei einer Demonstration auf einen Müllcontainer, um in aller Öffentlichkeit ihr Kopftuch zu verbrennen. Während sie vor der sie anfeuernden Menschenmenge steht, zieht in Rückblenden ihr bisheriges Leben an ihr vorbei: ihre unerwünschte Geburt, ihr konservativer Vater, ihr Smartphone voller rebellischer Hits, ihre Freundinnen, ihre erste Liebe, ihr Körper, der nach Freiheit verlangt, und die Kleiderordnung für Frauen, die dieses Stück Stoff auf dem Kopf vorschreibt, von dem sie sich unbedingt befreien will.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 07.01.2026
Rezensent Marko Martin liest begeistert Delphine Minouis Buch, das sich gegen die Frauenfeindlichkeit des iranischen Regimes und auch gegen westlichen Kulturrelativismus wendet. Minoui hat dafür mit zahlreichen Betroffenen gesprochen und sich auch auf Social Media umgeschaut, wählt allerdings gleichzeitig die Romanform. Ins Zentrum stellt sie die 16-jährige Zahra, die schon in ihrer Familie ob ihres Geschlechts unterdrückt wird und sich nun den Protesten gegen die Hidschab-Gesetze der Obrigkeit anschließt. Der Titel "Badjens" ist, erklärt uns Martin, Zahras Spitzname, auf Farsi steht er einerseits für "aufmüpfig", andererseits für "falsches Geschlecht" - eben gegen diese Zuschreibung wendet sich der Roman. Martin freut sich darüber, dass Minoui nicht einfach nur einen Thesenroman verfasst, sondern ihre Hauptfigur Zahra aka Badjens, als deren Monolog sich das Buch entfaltet, lebendig werden lässt. Der Rezensent jedenfalls lässt sich gern mitreißen von der Wucht dieser Geschichte und ruft abschließend dazu auf, den Schlachtruf des iranischen Aufstands nicht zu vergessen: "Frau, Leben, Freiheit/ Jin Jiyan, Azadi".
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.09.2025
Rezensentin Dina Netz ist sehr bewegt von diesem Roman der franko-iranischen Schriftstellerin über das Leben und dem Protestbegehren der titelgebenden jungen Frau Badjens. Die Protagonistin ist angelehnt an die iranische Aktivistin Nika Shakarami, die auf einer Demonstration gegen das Regime - eine Reaktion auf den Tod von Mahsa Amini im Herbst 2022 - ihr Kopftuch verbrannte und darauf unter ungeklärten Umständen starb. In wütenden, an ein distanzierendes 'Du' gerichteten Stakkato-Sätzen liest Netz vom Moment jener Kopftuchverbrennung, der den Rahmen des Romans bildet. Gefüllt wird dieser Rahmen vom eingeengten, in der ersten Person erzählten Leben Badjens, die, seit ihr Großvater davon erfuhr, dass seine Tochter ein Mädchen bekommen würde, von den Männern ihrer Familie nur als "Fehler" bezeichnet wird. Auf Netz wirkt dieses Leben sehr wild und authentisch, sie merkt, dass die Autorin sich nicht nur mit der iranischen Gesellschaft auskennt, sondern zur Recherche auch junge iranische Frauen interviewt hat. Die prägnante Sprache verleihe dem Roman zudem eine überzeugende, zwischen Trauer und Hoffnung oszillierende Plastizität, schließt die Kritikerin.
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