David Grann

Der Untergang der "Wager"

Eine wahre Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei
Cover: Der Untergang der "Wager"
C. Bertelsmann Verlag, München 2024
ISBN 9783570105467
Gebunden, 432 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Rudolf Mast. Ein windschiefes Segelboot strandet an der Küste Brasiliens, an Bord 30 Männer, die einzigen Überlebenden des königlichen Eroberungsschiffs "The Wager", das in einem Sturm zerschellt ist. Sechs Monate später: Drei Schiffbrüchige werden in Chile an Land gespült und erklären die 30 Männer zu Meuterern, die skrupellos gemordet hätten … Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Das soll ein britisches Kriegsgericht entscheiden. Es geht um Leben oder Tod.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2024

Lobende Worte findet Rezensent Oliver Pfohlmann für diese Erzählung über das britische Kriegsschiff "Wager", die der Sachbuchautor David Green vorlegt. Green steuere "souverän" durch eine Vielzahl von Quellen, die er zu einer spannenden Geschichte bündelt. Interessant findet Pfohlmann Greens Buch aber nicht nur erzählerisch, sondern auch historisch. Denn auf dem englischen "Wager" läuft alles nach den Dynamiken der englischen Klassengesellschaft ab: Viele Menschen seien nur für die wahnsinnige Idee des Königs gestorben, eine spanische Galeone zu überfallen. Greens Fazit, alle Überlebenden hätten ihre Rolle in jener imperialistischen Ordnung verdrängt und diese damit unterstützt, findet Pfohlmann allerdings etwas "leichtfertig". Insgesamt gefällt ihm das Buch aber gut, auch weil Green verschwiegene Geschichten wie die des einzigen schwarzen Besatzungsmitglieds der "Wager", John Duck, in seine Rekonstruktion einbezieht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.06.2024

David Grann hat ein Buch über den Untergang des Kriegsschiffes Wager geschrieben, aus dem Rezensent Günther Wessel eine Menge lernen kann: 1740 sind 250 Männer mit ihr in See gestochen, gemeinsam mit fünf anderen Schiffen, geplant war eine "klassische Kaperfahrt", die ein spanisches Schiff überfallen sollte. Der Plan ging allerdings nicht glatt auf, Kapitän David Cheap muss das Boot an eine Insel im Pazifik bringen, es leben nur noch knapp zwei Drittel der ursprünglichen Besatzung, Hunger, Krankheiten und wahrscheinlich sogar Kannibalismus hätten die Männer wohl vollends dahingerafft, wenn sie keine Hilfe der indigenen Bevölkerung erhalten hätten, fasst Wessel zusammen. Für ihn auch eine Geschichte, die ein kritischeres Licht auf das britische Empire wirft.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 08.05.2024

Warum sollte uns heutige Leser die Grundfrage von David Granns Buch interessieren, fragt Rezensent Jan Küveler: Hat vor 300 Jahr an Bord der Wager eine Meuterei stattgefunden oder nicht? Aus zahlreichen Gründen, ruft er dann! Denn es geht bei diesem historischen Ereignis, das Grann in aller Lebendigkeit zu erzählen weiß, um grundlegende Fragen der Warheitsfindung. 140 Mann konnten sich nach dem Schiffbruch der von der Royal Navy ausgesendeten M.S. Wager auf eine Pazifikinsel retten. Letztendlich kamen dreißig von ihnen nach England zurück, die zunächst als einzig Überlebende und Helden gefeiert wurden, resümiert Küveler.  Bis, etwas später, drei weitere Männer auftauchten, die erstere der Meuterei bezichtigten - es begann ein langwieriger Prozess, in dem Aussage gegen Aussage stand und die Wahrheit häufig den Interessen der einzelnen Akteure untergeordnet wurde, wie Küvler von Grann erfährt. So war es für die Navy, als Repräsentant der Englischen Krone, vor allem wichtig ein gutes Bild in der Öffentlichkeit zu erhalten, um "ihre imperialen Interessen" programmatisch zu stützen. Granns Erzählung der Expedition liest sich wie ein "gelehrter Abenteuerroman", freut sich der Rezensent, und lehrt uns dabei einiges darüber, wie unverantwortlich auch heute noch mit der Wahrheit umgegangen wird, schließt Küveler.

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