Klappentext

Das Interesse an dem Ökonomen, Soziologen und Wirtschaftshistoriker Werner Sombart ist wieder erwacht. Obwohl in den letzten Jahren sowohl seine Biografie als auch sein Werk umfassend untersucht worden sind, ist seine russische Wirkungsgeschichte weitgehend unbekannt geblieben. Dabei gehörte er nicht nur für vier Jahrzehnte zu den in Rußland meistgelesenen ausländischen Gelehrten, sondern unternahm auch im Frühjahr 1914 eine vielbeachtete Vortragsreise durch weite Teile des Zarenreichs. Die Autoren haben sich im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes zum deutsch-russischen Wissenstransfer in der Volkswirtschaftslehre des Themas "Sombart in Rußland" angenommen. Sie analysieren Schritt für Schritt die verschiedenen Phasen der russischen Sombart-Rezeption. So war es bis zur ersten Russischen Revolution 1905 der junge Sozialist Sombart, auf den sich die russischen Marxisten - einschließlich Lenin - in ihrer Auseinandersetzung mit den sogenannten Volkstümlern beriefen. In der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg diskutierte man in der russischen Publizistik - auch unter dem Eindruck seiner in verschiedenen Städten des Landes gehaltenen Vorträge über "Liebe und Kapitalismus" und "Die Juden und das Wirtschaftsleben der Völker" - intensiv über seine Thesen zur Genese des Kapitalismus wie auch über seine Person, während er in dem Wirtschaftshistoriker Pawel Ljaschenko seinen bedeutendsten wissenschaftlichen Interpreten fand. Hatten Sombarts Schriften in den frühen zwanziger Jahren noch zur Pflichtlektüre des kommunistischen Kadernachwuchses gehört, wurde er im stalinistischen Rußland zu einer persona non grata.
Im Anhang der Studie kommt schließlich Sombart selbst zu Wort: In zwei großen Artikeln für das "Berliner Tageblatt" berichtete er über seine russischen Reiseeindrücke. Beide Texte, die in keiner Sombart-Bibliografie verzeichnet sind, werden in diesem Band erstmals nachgedruckt, ebenso - in deutscher Übersetzung - ein Grußwort Sombarts an die russische Öffentlichkeit und neun Interviews mit ihm, die während seiner Reise in der russischen Tagespresse erschienen sind. Abgerundet wird der Band durch eine vollständige Bibliografie der ins Russische übersetzten Schriften Sombarts.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2006

Das Wirken des Volkswirtschaftlers, Soziologen und Antikapitalisten Werner Sombart (1863-194) in Russland ist nach Auskunft von Rezensent Klaus Peter Krause heute nahezu vergessen, obwohl er dort von 1897 bis 1933 zu den meistgelesenen ausländischen Gelehrten zählte. Um so erfreuter begrüßt Krause den vorliegenden Band von Joachim Zweynert und Daniel Riniker, der ausführlich über die russische Sombart-Rezeption unterrichtet. Wie Krause berichtet, schildern die Autoren Sombarts Wirken in Russland zunächst im Zusammenhang mit der Kapitalismus-Debatte (1897 bis 1905), dann dem "Silbernen Zeitalter" der russischen Kultur (1905 bis 1917) und schließlich der frühen Sowjetunion (1917 bis 1933). Krause hebt hervor, dass Sombarts Vortragsreise durch Rußland 1914 ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Abgeschlossen werde der Band mit zwei Zeitungsbeiträgen Sombarts, neun Interviews mit ihm und einer Bibliografie.
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