Die Geschichte, könnte man meinen, hat Karl Marx widerlegt. Kaum jemand träumt noch wie im 19. Jahrhundert von der Revolution, aber wir wollen wissen, wie jene Kraft entsteht, die unsere Gesellschaft immer tiefer spaltet. Thomas Steinfeld hat Karl Marx kurz vor dessen 200. Geburtstag noch einmal gelesen und bestechende Analysen unserer Wirtschaft gefunden: zur Gewalt, die das Geld auf den Menschen ausübt, zur Macht, die in Waren verborgen ist, oder zur Krise als einem Normalfall unserer Wirtschaftsform. Befreit von einer weltgeschichtlichen Mission, öffnet Marx' Philosophie uns die Augen für jene Effekte des Kapitalismus, die unser Leben bestimmen, heute mehr denn je.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2017
Rezensent Gerd Koenen lobt Thomas Steinfelds "luzide" Rekonstruktion Marx'scher Gedanken. Wie der Autor alles Zufällige aus dem Gedankenpool herauslöst und von heute aus Kategorien wie Klasse, Kapital, Profit und Entfremdung auf ihre intellektuelle Werthaltigkeit und Brauchbarkeit untersucht, macht Koenen Eindruck. Ebenso die Systematik des Autors beim Entfalten ihrer historisch-philologischen Bezüge sowie ihrer Aktualisierung und die Eleganz, mit der Steinfeld sie an Figuren und Szenen aus Literatur und Kunst anlegt. Im Zentrum der Diagnose steht dabei Marx' Formel vom Geld, erklärt Koenen.
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