Die Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Deutschland lenkt den Blick auf das Verhältnis von Emanzipation und Fußball. Dabei wird der Sport jedoch in erster Linie aus Perspektive der Frauenemanzipation betrachtet. Dieser Band hingegen thematisiert den Fußball im weiteren Sinne als eine Möglichkeit von Selbstbestimmung. Er verknüpft historische Befunde mit einem Blick auf aktuelle Herausforderungen der Gesellschaft. Die Beiträge und Interviews spannen einen Bogen von den Pioniertagen des Sports, über die Weimarer Republik, bis zur Etablierung des Frauenfußballs. Sie beschreiben die heutigen Emanzipationsbestrebungen von Migrantinnen und Migranten, Schwulen und Lesben sowie Menschen mit Behinderung. Mit Beiträgen und Interviews von Tatjana Eggeling, Dagmar Freitag, Nina Holsten, Gül Keskinler, Daniel Küchenmeister, Lorenz Peiffer, Sabine Radtke, Thomas Schneider, Dietrich Schulze-Marmeling, Henry Wahlig, Frank Willmann und Simone Wörner.
Ziemlich in Ordnung findet Andreas Rüttenauer diesen Sammelband, der die Frage nach dem Zusammenhang von Gesellschaft und Fußball verhandelt. Es geht darin unter anderem um die forcierte Fifa-Propaganda, mit der bei der vergangenen WM Südafrika am Wesen des Fußball genesen zu sollen schien. Homophobie, die arg unterschiedliche Behandlung von Männer- und Frauenfußball, das Klischee vom Eintritt in den Fußballverein auf der Suche nach Teilhabe am Sozialen, all das kommt vor und wird, so Rüttenauer, auch sachgerecht dargestellt. Eine ausdrückliche Warnung allerdings gibt es auch: Nämlich vor den zwei überaus nichtssagenden Interviews mit der Integrationsbeauftragten des DFB sowie der Vorsitzenden des Sportausschusses des Bundestags. Für diese Teile des Buchs hat der Rezensent einen ganz klaren Tip: "Bitte unbedingt überlesen!"
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