Alles begann, als Völler zu Werder kam. Aber sie musste die Klappe halten, wenn sie mit ihrem Bruder "Sportschau" gucken wollte, und fing sich eine, wenn sie "blöd quatschte". Mädchen und Fußball - in den achtziger Jahren, als Wiebke Porombka zum Fan wurde, war das bestenfalls eine harmlose Verirrung. Und heute, wo Millionen Mädels mit Fähnchen im Haar die Eventmeilen bevölkern? Ist die Verirrung nur umso größer. Denn echte Fans, so zeigt Porombka in ihrem Buch, bleiben allein, auch wenn Tausende um sie herumstehen. Anhand eines Spieltags beschreibt die Autorin, was es heißt, Fan zu sein. Und dazu noch Frau. Sie erzählt von Männern, die gern Ahnung haben und mit Statistik protzen; von ahnungslosen Frauen, die sich fragen, ob Jogi Löw schwul ist; von den magischen fünfzehn Minuten vor dem Anpfiff und der entscheidenden Viertelstunde nach der Pause; weshalb Frauenfußball bescheuert ist - und warum das Spiel wieder Typen wie Borowka braucht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2013
Keine gefühlige Sache, dieses Buch, zum Glück, meint Manfred Koch. Dass Wiebke Porombka sich statt auf Selbstdarstellung vor allem auf den Ball konzentriert, rechnet Koch ihr an. Werder-Momente allerdings sind hier immer auch Momente der eigenen Biografie, klar. Denn die Autorin schreibt laut Koch eine Liebeserklärung an "ihren" Club, plaudert heiter (und philosophiert nicht!) über Vereinstreue, kickende Großväter und Omas im Stadion. Triumphe kommen vor, schreibt Koch, Aberglaube und gern auch Spott angesichts fachsimpelnder Männer etwa. Spritzig geschrieben findet er das Buch darüber hinaus.
Große Begeisterung löst Wiebke Porombkas "vergnüngliches, stilistisch herausragendes" Fußballfan-Bekenntnisbuch "Der zwölfte Mann ist eine Frau" bei Ursula März aus. Und das nicht nur wegen Porombkas Glaubwürdigkeit in Sachen Fußball und ihre beträchtliche Formulierungsgabe, sondern vor allem wegen der "perfekt dosierten Prise Ironie", mit der die Autorin, hauptberuflich übrigens Literaturkritikerin der FAZ, ihrem erzählenden "ich" einen leichten "Dreh hin zum 'man'" verpasst und so ihrer subjektiven Erzählerfigur allgemeingültige Züge verleiht.
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