Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Ein abgerissener Steg auf dem Weg zum Meer führt in einer Sturmnacht einen einsamen Lehrer, einen blinden Oberst und eine verführerische junge Frau zusammen: Der Oberst, der im Bosnienkrieg sein Augenlicht verloren hat, lebt abgeschieden mit seiner schönen Mawra und einem serbischen Hausmeister zusammen. Bis Henry in ihr Leben platzt. Der Russischunterricht der beiden dient bald nicht mehr nur der Erlernung einer neuen Sprache. Die angespannte Situation kulminiert, als der Oberst für Nachforschungen nach St. Petersburg aufbricht.
Als sehr gelungen lobt der Rezensent Jörg Magenau Daniel Katz' Roman "Treibholz im Fluss", der sich um die Geschichte dreht, "um ihre Anwesenheit und Wirksamkeit bis in ferne Regionen und Zeiten". In der Tat spiele der Roman nicht in Bosnien, sondern im fernen Finnland, und doch sei es ein bosnischer Pferdezüchter, dem der Geschichtslehrer Henry Loimu bei einem Hochwasser buchstäblich vor die Füße gespült werde. Dieser, erklärt der Rezensent weiter, arbeitet als Bediensteter eines im Bosnien-Krieg erblindeten Obersts, und seine wunderschöne Tochter Mavra hat den Oberst geheiratet. In genau diese Frau verliebe sich Henry natürlich unsterblich, unter den argwöhnischen Blicken von Vater und Ehemann. Sehr gut gefallen hat dem Rezensenten, wie die Figuren in ihren Gesprächen, in denen es "um die Geschichte geht, um Frauen und die Liebe und wie alles miteinander zusammenhängt", nicht "abstrakt" bleiben, sondern "unausgesprochen die komplizierten Beziehungskonstellationen mitverhandeln". Katz verstehe sich darauf, seinen "eigenwilligen, faszinierenden Figuren" ihre Geheimnisse erst allmählich zu entlocken. Jedoch glücklicherweise nicht alle, freut sich der Rezensent: "Die Geschichte hat in diesem sinnlichen, heiter-lakonischen und aufwühlenden Roman mehrere doppelte Böden."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2005
Sandra Kerschbaumer urteilt zwiespältig, aber wohlwollend über Daniel Katz' Roman "Treibholz im Fluss". Vieles an der Geschichte eines finnischen Lehrers, der sich erst in eine Frau verliebt, die dem Krieg in Jugoslawien entkommen ist, um schließlich selbst nach Bosnien zu gehen, um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, ist didaktisch und überbetont, meint Kerschbaumer. Sie sieht hier ein "typologisches Geschichtsverständnis" am Werk, in dem sich alte Muster wiederholen, immer aufs Neue. Auch die Dialoggestaltung findet Kerschbaumer oft recht hüftsteif. Dennoch war sie berührt: Von den Geschichten selbst, Geschichten vom Krieg und von der Liebe, die dem Roman mit ihrer Leidenschaft glücklicherweise gerade dann den dramatischen "Schwung" verleihen, wenn er allzu versunken auf der Stelle tritt.
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