Fast sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielten rund 1,66 Millionen NS-Zwangsarbeiter eine materielle und symbolische Entschädigung von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" und sieben internationalen Partnerorganisationen. Neben jüdischen Sklavenarbeitern lag der Schwerpunkt vor allem auf Ost- und Ostmitteleuropa, wohin bis dahin kaum Wiedergutmachung für NS-Verfolgte geleistet worden war. Vier Jahre lang erforschte ein internationales Team von 20 Wissenschaftlern die Umsetzung und die Folgen dieser Entschädigungen, durchsuchte dazu Archive in acht Ländern und führte zahlreiche Zeitzeugeninterviews. In den daraus hervorgegangenen Beiträgen wird gezeigt, in welcher Weise die Logik politischer Verteilungskämpfe und bürokratischer Institutionen auf komplexe Verfolgungserfahrungen und konkurrierende Gerechtigkeitsansprüche traf und dabei auch die europäische Erinnerungslandschaft umformte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2013
Respektvoll begegnet Christoph Klessmann diesem Mammutprojekt einer zeitgeschichtlichen Forschungsleistung, basierend auf internationaler Kooperation. Über 1000 Seiten verhelfen laut Klessmann einem vernachlässigten Schlüsselthema der deutschen Kriegswirtschaft zu der ihm gebührenden Aufarbeitung und Aufmerksamkeit. Der Umstand, dass die vom Bochumer Zeithistoriker Constantin Goschler angeleiteten Autoren genau und ohne die Gefahr allzu schnell zu bilanzieren sich dem komplexen Thema annehmen und seine politischen, juristischen, moralischen und ökonomischen Aspekte beleuchten, gewährt dem Rezensenten eine Menge neuer Einblicke und Einsichten, oft bedrückender Art, denn eines vor allem lernt Klessmann hier: Es gibt Gewalt und Unrecht, die sich nicht entschädigen lassen.
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