Geschichte vor Gericht

Historiker, Richter und die Suche nach Gerechtigkeit
Cover: Geschichte vor Gericht
C.H. Beck Verlag, München 2000
ISBN 9783406421556
Broschiert, 187 Seiten, 12,27 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Norbert Frei, Dirk van Laak und Michael Stolleis. Die anhaltende Debatte um die NS-Vergangenheit deutscher Unternehmen und der Streit um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter sind eine Herausforderung für die deutsche Geschichtswissenschaft und für die Justiz. Aber auch im Ausland - und nicht nur im Blick auf den Zweiten Weltkrieg - sind Historiker und Richter in wachsendem Maße mit der Forderung konfrontiert, politisches Unrecht aufzuklären, so weit wie möglich "wiedergutzumachen". An einer Fülle von Beispielen erörtern ausgewiesene Experten in diesem Band, welche Möglichkeiten dafür bestehen, was die spezifischen Probleme sind - und wo die Grenzen dieser Suche nach historischer Gerechtigkeit liegen. Mit Beiträgen u.a. von: Gerald D. Feldman, Norbert Frei, Raphael Gross, Manfred Hildermeier, Harold James, Dirk van Laak, Jörg Requate, Henri Rousso, Michael Stolleis, Irmtrud Wojak.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2000

Annette Weinke erläutert zunächst die Problematik, die dieser Studie zu Grunde liegt. So erklärt sie den Zwiespalt, mit dem sich Historiker sich bereits in den sechziger Jahren, aber auch heute bei der Frage der Zwangsarbeiter-Entschädigung, konfrontiert sehen: Einerseits wollen sie unabhängig forschen, wofür auch Vertrauen von Zeitzeugen ein wichtiger Aspekt ist. Andererseits werden ihre Erkenntnisse häufig für Strafprozesse verwendet, ja angefordert. In der "lesenswerten Sammlung von Einzelaufsätzen" wird nach Weinke nun der Frage nachgegangen, was diese Situation für das "eigene disziplinäre Selbstverständnis" von Historikern bedeutet. Deutlich werde dabei, welch "zwiespältige Gefühle" die meisten Historiker empfinden. Denn einerseits spüren sie die Verantwortung bei der Aufklärung von NS-Verbrechen, andererseits sehen sie die Gefahr einer Funktionalisierung. Dagegen hilft nur eine "regelmäßige Überprüfung der methodischen und ethischen Grundlagen", so Weinke, allerdings bleibt offen, ob das ihre persönliche Meinung ist, oder die der Autoren. Bedauerlich findet die Rezensentin, dass in dem Band kaum etwas über die "Vergangenheitsaufarbeitung in eigener Sache" gesagt wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2000

Gerd Roelleckes Einschätzung des Buches ist ambivalent, doch lobt er, dass in dem Sammelband nicht nur Beiträge zur deutschen NS-Vergangenheit enthalten sind. Während die Aufsätze der deutschen Historiker ?durchweg den Erwartungen? entsprächen, so der etwas gelangweilte Rezensent, lohne der Beitrag von Henry Rousso zum Papon-Prozeß durchaus den Kauf des Buches. Die Untersuchung des Amerikaners Feldmann, auf die der Rezensent im Einzelnen eingeht, lassen ihn zweifeln, ob die Hinzuziehung von Historikern bei den Auseinandersetzungen um Zwangsarbeiterentschädigungen überhaupt der Gerechtigkeit dienen könne. Speziell an diesem Aufsatz kritisiert er, dass der Autor behauptet, das Problem der Gerechtigkeit lösen zu können, obwohl dies weder in den Zuständigkeitsbereich der Historiker falle, noch überhaupt geleistet werden könne.

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