Aus dem Französischen von Joseph Chapiro. Der Skandalroman der Zwanzigerjahre - wiederentdeckt! Paris, in den 1920er Jahren: Monique Lerbier, Tochter aus reichem Hause, weigert sich, den Mann zu heiraten, den ihr Vater in einem intriganten Mitgifthandel für sie bestimmt hat. Auch bei ihrer Mutter, die mit 50 nur noch ein einziges Lebensziel hat - so auszusehen wie mit 30 - findet sie keine Unterstützung. Angewidert von den Ränkespielen der Bourgeoisie bricht Monique mit ihrer Familie und entwickelt sich zur emanzipierten, unabhängigen Garçonne. Sie steht finanziell auf eigenen Beinen und stürzt sich kopfüber ins rauschhafte Leben der Pariser Boheme, wo die freie Liebe lockt und das Opium ... Der Roman zeigt die Geburtsstunde der "neuen Frau" und ist eine Zeitreise ins Paris der wilden Zwanzigerjahre.
Rezensent Dirk Fuhrig schätzt sehr, dass Victor Marguerittes Roman von 1922 in einer überarbeiteten Übersetzung auf Deutsch erscheint. Der Text ist ihm wichtig als Geschichte einer Selbstermächtigung und Plädoyer für sexuelle Selbstbestimmung. Die Geschichte der Monique Lerbier, die sich von ihrem repressiven Elternhaus lossagt, Karriere macht und ihre Homosexualität im Paris der 20er auslebt, findet der Rezensent von Margueritte scharf gezeichnet und packend erzählt. Trotz sprachlicher Schwächen und etwas eindimensionaler Charaktere (unanständig sind nur die Männer!) für Fuhrig ein beeindruckendes Buch.
Rezensentin Barbara Vinken liest Victor Marguerittes Skandalroman von 1922 als Dokument der sexuellen Emanzipation der Frau. Dass die sexuelle Drastik in der deutschen Fassung zur Orgie light wird, versteht Vinken nicht, zumal für sie mit Keuns "Kunstseidenem Mädchen" ein bereits vergleichbares Pendant vorliegt. Schön findet Vinken, wie der Autor den Lebensekel der durch alle Höllenkreise der Begierde gegangenen Heldin beschreibt, witzig scheint ihr die "Ironisierung machistischer Fantasmen" und erlösend der Schluss, da la Garconne doch noch die große Liebe trifft. Ein Happy End, anders als bei Keun oder in "Madame Bovary", stellt Vinken fest.
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