Claudia Wirsing

Anfang und Ursprung

Die klassische Metaphysik und ihre Kritik im 20. Jahrhundert
Cover: Anfang und Ursprung
Felix Meiner Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783787347148
Kartoniert, 170 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Claudia Wirsings Studie beschäftigt sich mit dem Begriff des Anfangs im Kontext der klassischen Metaphysik und ihrer Kritik im 20. Jahrhundert. Dass der Anfang nur rückwirkend verstanden werden kann, ist die zentrale These dieses Buches. Im Anschluss an Hegel sowie seine Vorläufer und nachmetaphysischen Kritiker arbeitet die Autorin die primordiale Unschärferelation der Logik des Anfangs heraus: Je lokaler, isolierter und näher der Anfang fokussiert wird, desto ungreifbarer werden seine Abläufe und Strukturen. Je weiter der Rahmen hingegen aufgespannt und die Gesetze des auf ihn Folgenden als das Grundlegende betrachtet werden, desto integrierbarer werden seine Funktionen. Das Buch beginnt mit einem Problemaufriss der klassischen Metaphysik und versammelt unter anderem Überlegungen zu Parmenides, Platon, Plotin, Aristoteles, Descartes und Leibniz. Der vornehmliche Fokus liegt jedoch auf der Rekonstruktion der Spielregeln der Logik des Anfangsbegriffes, wie sie durch Hegel in bis dahin und auch nachfolgend unerreichter Komplexität erörtert worden sind. Abschließend werden die postmodernen Ansätze von Lévinas und Derrida analysiert. Dabei enthält das Buch viele Aus- und Nebenblicke (z. B. auf den Begriff der Emergenz) und vertritt in diesem komplexen Debattenfeld eine eigenständige Position.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.07.2026

Kluge Gedanken über Anfänge und Ursprünge finden sich in diesem Buch, so Rezensent Michael Hesse. Die Philosophin Claudia Wirsing beschäftigt sich mit philosophischen Positionen, die, analog zur Frage nach dem Urknall in den Naturwissenschaften, einem Ursprung aller Aussagen über die Welt nachspüren. Eine zentrale Instanz ist dabei Hegel, der diesen Ausgangspunkt im dialektischen Prinzip sieht. Diese metaphysische Position wurde über die Jahre immer wieder attackiert, Wirsing hingegen verteidigt Hegel tendenziell und kritisiert ihrerseits Kritiker der Metaphysik wie etwa Derrida. Tatsächlich argumentiert die Autorin, dass jüngere naturwissenschaftliche Erkenntnisse, die den Ursprung der Welt als etwas Ungreifbares erscheinen lassen, durchaus etwas Hegelianisches haben. Hesse kann dem folgen und liest Wirsings Buch mit Gewinn.

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