Was führte nach 1945 dazu, dass die evangelische Kirche sich so intensiv um die Täter kümmerte? Welche Rolle - wenn überhaupt - spielten die Opfer? Es zeichnet sich einerseits ein aus heutiger Sicht verstörendes Bild ab, das andererseits vor dem Hintergrund zeitgenössischer politischer wie theologischer Debatten verstanden werden muss. Damit stellt dieses Buch nicht nur einige Akteure und Netzwerke der kirchlichen Unterstützung von NS-Tätern nach 1945 vor, sondern geht auch auf Erklärungen, Rechtfertigungen und Selbstrechtfertigungen ein. Die Autoren nehmen dabei auch kritisch Klischees zur Wahrnehmung kirchlicher Geschichte in den Blick, wie etwa die Wahrnehmung der Bekennenden Kirche in der Öffentlichkeit. Eine Gesamtschau auf das komplexe Thema rundet das Buch jeweils zu Beginn und Ende ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2022
Rezensent Clemens Vollnhals liest den von Nicholas John Williams und Christoph Picker herausgegebenen Band über das Verhalten der pfälzischen Landeskirche im Umgang mit NS-Tätern nach 1945 mit Interesse, auch wenn eine "umfassende Untersuchung" zum Thema noch aussteht, wie er findet. Im Zentrum des Bandes stehen für ihn der Kirchenpräsident Hans Stempel und der Pfarrer Theodor Friedrich und ihr Wirken als "Gnadenlobbyisten" für NS-Kriminelle. Zwar geben die Beiträge im Band laut Rezensent einen Eindruck von der mangelnden Selbstreflexion der beteiligten Kirchenleute und von der weiterhin bestehenden Identifikation von Staat, Kirche und Volk, doch bleiben allerhand Lücken, etwa im Fehlen einer Untersuchung des Hilfswerks für Internierte und Kriegsgefangene, so Vollnhals.
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