Björn Kern

Das erotische Talent meines Vaters

Roman
Cover: Das erotische Talent meines Vaters
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406598371
Gebunden, 190 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Ist es ein vom Wunsch nach Nähe angeregter Wochenendausflug zum Vater oder ein Kontrollbesuch? Als der Sohn, der Icherzähler in Björn Kerns neuem Roman, aus Berlin an den Bodensee kommt, um nach längerer Zeit einmal wieder nach dem Vater zu sehen, holt dieser ihn nicht vom Zug ab. Vergessen, verschusselt, egal? Der Vater Jakob, hoch in den Sechzigern, aber von fast schon erschreckender Virilität, durchtrainiert und mit einer beeindruckenden schwarzen Lockenpracht gesegnet, stellt den Sohn, der als Pfleger arbeitet, vor nicht wenige Rätsel. Welche Rolle spielen die beiden Frauen, die den Vater zu belagern scheinen und von denen er sich angeblich belästigt fühlt, tatsächlich? Was finden sie an ihm und was am Sohn? Wieso ist der Vater so fit und wo treibt er sich eigentlich nachts herum? Nimmt er gar Drogen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2010

Das dezidiert Unentspannte, Verdruckste und Pedantische, das der Protagonist in Björn Kerns viertem Roman an den Tag legt, findet Rezensent Martin Halter auch ein wenig in der Erzählweise des Autors wieder. Getrieben von der Vorstellung, die getrennten Eltern wieder zusammenzubringen, kehrt Sohn Philipp in Vaters verkommende Villa am Bodensee zurück. Dort muss er feststellen, dass der Altachtundsechziger ihn an "Virilität und Vitalität" bei weitem übertrifft, erklärt der Rezensent. Dieser umgekehrte Ödipus-Konflikt wird laut Rezensent dann sehr kleinteilig entwickelt: mit akribischem Blick für technische Details oder Verfallssymptome an Mensch und Haus. Das wirkt auf unseren Rezensenten bei aller Feinfühligkeit und gelegentlicher ironischer Grundierung insgesamt doch zu "mechanisch und angestrengt". Und wenn Kern den Protagonisten die Spuren der väterlichen Gelage wegputzen lässt, bescheinigt ihm der Rezensent "erzählerischen Putzzwang".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.05.2010

Nach seinem überzeugenden zweiten und einem "halbguten" dritten Roman kann Björn Kern mit seinem vierten Buch bei Rezensentin Barbara Gärtner nicht punkten. Der Autor erzählt von der Rückkehr eines Sohnes zum Alt-68er-Vater in die langsam verfallende Bodenseevilla, um die Chancen für eine Versöhnung der getrennten Eltern auszuloten, erfahren wir. Es entspinnt sich ein "Kammerspiel", in der sich der Vater als ein von alten Weltverbesserungsfantasien befreiter "Geronto-Gigolo" geriert und der Sohn von Erinnerungsblitzen heimgesucht wird - die Rezensentin zeigt sich zunehmend angeödet. In diesem Roman wird viel geredet und diese wörtliche Rede wird seitenweise nacherzählt, beschwert sich Gärtner, die es schon von Anfang an misstrauisch gemacht hat, dass sich der Autor mitunter auf kursiv gedruckte Wörter zurückzieht und damit ja wohl deutlich zu verstehen gebe, dass er "der eigenen Sprache nicht traut", wie sie meint. Die findet die Rezensentin dann auch vor allem "lahm" und schwunglos, weshalb sie diesem Roman auch wenig abgewinnen kann.
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