Wie haben die Nationalsozialisten die Macht im "roten Berlin" erobert und durchgesetzt? Wie reagierten die "Volksgenossen" auf die Ausgrenzung großer Teile der Stadtbevölkerung? Und wie wirkten sich Krieg, Bombardement und Zwangsarbeit schließlich auf das Leben in der Stadt aus? Zwischen 1933 und 1945 war Berlin als Reichshauptstadt zentraler Schauplatz politischer, sozialer, kultureller Auseinandersetzungen. Während die Nationalsozialisten das weltstädtische Flair dieser Kulturmetropole bekämpften, nutzten sie die Stadt jedoch auch als Aushängeschild, insbesondere während der Olympischen Spiele 1936. Berlin war einerseits potenzieller Rüstungsstandort ersten Ranges, andererseits aber auch eine "Arbeiterhochburg". Parallel zur großen Berliner Landesausstellung anlässlich des 80. Jahrestags der sogenannten "Machtergreifung" liegt nun endlich das erste umfassende Buch zu Berlin in den Jahren 1933-45 vor - und damit eine moderne Gesellschaftsgeschichte des "Dritten Reichs".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013
Lobende Worte findet Rudolf Walther für dieses von Michael Wildt und Christoph Kreutzmüller herausgegebene Werk über Berlin zwischen 1933 und 1945. Der 23 Beiträge zu Bereichen wie Machtübernahme, Verwaltung, Wirtschaft, Gesellschaft oder Kultur versammelnde Band hat ihn rundum überzeugt. Die Beiträge dokumentieren die Lebensverhältnisse in Berlin zur NS-Zeit seines Erachtens "präzise" und "detailreich". Neben Oliver Reschkes und Michael Wildts Aufsatz über den "Aufstieg der NSDAP in Berlin" und Wolf Gruners Beitrag über die von der Verwaltung betriebene Ausgrenzung und Verfolgung der Juden hebt er Manfred Gailus' Artikel über die Berliner Protestanten, die tief gespalten waren, hervor. Walthers Fazit: ein schlüssiges, gut argumentiertes Werk, das ohne "Spekulationen und windige Hypothesen" auskommt.
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