Es ist zwar schon viel über die unmittelbaren Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert, aber noch keine Zwischenbilanz hinsichtlich ihrer langfristigen Konsequenzen für die Ungleichheit in Deutschland gezogen worden. Die ökonomischen, sozialen und politischen Spaltungstendenzen haben sich während der pandemischen Ausnahmesituation verschärft. Wenn nicht die richtigen Lehren aus der Coronakrise gezogen werden, gefährdet die wachsende Ungleichheit den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.09.2022
Rezensentin Susanne Billig lässt sich vom Armutsforscher Christoph Butterwegge bis ins kleinste Detail auseinandersetzen, was im politischen Umgang mit der Corona-Pandemie falsch gelaufen ist. Zwar machen die sehr konsequenten, kleinteiligen Argumentationen und Quellenangaben die Lektüre mitunter etwas "sperrig", andererseits tragen sie zur Glaubwürdigkeit und Nachdrücklichkeit des Buches und seines Appells bei. Butterwegges Hauptthese: Die Corona-Pandemie hatte gerade für die Ärmsten katastrophale Folgen, und trug damit zur gesellschaftlichen Spaltung bei. Dies hätte verhindert werden können. Welche Lehren wir aus den Erfahrungen in der Pandemie-Zeit ziehen können und sollten, wird in vier Schritten präzise hergeleitet, schreibt die Rezensentin: Nach einer Rückschau auf weit zurückliegende Seuchen und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen folgt die Rückschau auf die jüngste Vergangenheit - den Umgang mit Corona. Im Anschluss buchstabiert Butterwegge auf teils "schmerzhaft" genaue Weise die sozialen Folgen dieses politischen Umgangs aus und kommt schließlich, wie gesagt, zu den Schlussfolgerungen. Nur leider, bedauert die resignierte Rezensentin, scheint gerade dieser letzte Schritt, zu dem Butterwegge aufruft, auf politischer Ebene auszubleiben.
Für sehr verdienstvoll und gut ausgearbeitet hält Rezensent Micha Brumlik Christoph Butterwegges Buch zu den gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in Deutschland. "Kompakt" und trotzdem "bestens lesbar", so Brumlik, liefere der Soziologe und Armutsforscher einen umfassenden Überblick über alle bisherigen Studien zum Thema und arbeite dabei "präzise" heraus, dass die Pandemie die wohlhabenden Teile der Bevölkerung kaum, die ärmeren Teile aber umso härter getroffen habe - worunter Butterwegge Frauen als das "erschöpfte Geschlecht", Jugendliche und Studierende fasst, denen die Pandemie nicht nur Nebenjobs, sondern auch Kontakt- und Reisemöglichkeiten raubte, wie Brumlik liest. Dass wegen dieser Schlüsselerfahrung dem Autor nach zukünftig wohl wirklich von einer "Generation Corona" gesprochen werden müsse, scheint dem Kritiker einleuchtend und er lobt hier auch das große Einfühlungsvermögen des Autors. Auch bei Butterwegges Plädoyer für einen "inklusiven Sozialstaat" scheint er mitzugehen - nur, dass der Autor dabei wie in Vorgängerbüchern wieder das bedingungslose Grundeinkommen hinterfragt, findet Brumlik unnötig.
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