Klappentext

Sophies Schwester - das ist Inge Scholl, deren jüngere Geschwister Hans und Sophie 1943 hingerichtet wurden, weil sie sich dem NS-Regime widersetzt hatten. Inge Scholl wusste nichts vom Widerstand ihrer Geschwister. Doch sie begab sich umgehend auf eine private Spurensuche und avancierte damit nach 1945 zu einer ebenso einflussreichen wie prominenten Aktivistin in der bundesrepublikanischen Erinnerungs- und Gedenkkultur an den Widerstand im "Dritten Reich". Christine Hikel zeigt, wie familiäre Erinnerungen konstruiert wurden, wie sie sich im Laufe der Zeit veränderten, wie und wann sie sich gegen konkurrierende Widerstands-Erzählungen durchsetzten und das öffentliche Gedenken prägten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2013

Ulrich Schlie ist der Autorin dankbar für ihre sorgfältig recherchierte Perspektive darauf, wie das Bild vom deutschen Widerstand in der Bundesrepublik sich formen konnte. Christine Hikels Buch über Inge Scholl ist für ihn darum keine klassische Biografie, sondern ein Nachspüren der Erinnerungsarbeit der Scholl-Schwester Inge und das Aufzeigen der Wechselbeziehung zwischen persönlicher Betroffenheit und absichtsvoller Erinnerungspflege, wie Schlie schreibt. Die Kernthese der Autorin, wonach die Geschichte der Weißen Rose als Gegenerzählung zum Nationalsozialismus und Entschuldigungsstrategie von Inge Scholl mit durchgesetzt wurde, kann Schlie gut nachvollziehen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2012

Die Geschwister Scholl. Christine Hikel hat ihre Dissertation über die Frau geschrieben, die selten damit gemeint ist: Inge. Die Schwester von Hans und Sophie Scholl. Dieses Attribut war es, mit dem sie immer versehen wurde, mit dem sie sich aber auch selbst versehen hat, weiß der Rezensent Rudolf Neumaier. Die Dissertation ist jetzt als Buch erschienen: "Sophies Schwester" - wieder ein Platzhalter also. Immer war Inge Scholl der Meinung, dass in ihrer persönlichen Nähe zu den Geschwistern ein privilegierter Zugang zur Deutung ihres Schicksals begründet sei, erfährt Neumaier von der Autorin. Den Anspruch auf Deutungsshoheit findet der Rezensent zwar fragwürdig, aber nicht ungewöhnlich für die Kriegsgeneration. Christina Hikel beschreibt Scholls Streit um die Monopolisierung der Geschichte der Weißen Rose, ihre Auseinandersetzung mit Autoren wie Alfred Neumann und ihre prägende Rolle in der Erinnerungspolitik im geteilten Deutschland, berichtet der Rezensent.
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