Klappentext

Sophie Scholl ist eine Ikone der deutschen Geschichte. Mit Flugblättern hatte sie es gewagt, die verbrecherische Politik Adolf Hitlers anzuklagen. Doch ihr Weg von der jugendlichen NS-Führerin zur entschiedenen Gegnerin des Nationalsozialismus war länger, widersprüchlicher und differenzierter als bisher dargestellt. Barbara Beuys hat Hunderte bisher unbekannte Dokumente gesichtet, die das Rückgrat der ersten umfassenden Biografie über Sophie Scholl bilden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2010

Sabine Fröhlich ist voll des Lobes angesichts Barbara Beuys Sophie-Scholl-Biografie. "Klug recherchiert" findet die Rezensentin die Arbeit und es sind ihr auch einige Details zur politischen Entwicklung Sophie Scholls zu entnehmen, die so bislang nicht herausgearbeitet worden sind, wie sie anerkennend festhält. So wird bei Beuys deutlich, wie wichtig Scholls "Hinwendung zu einem spirituellen Christentum" für ihren Entschluss, aktiv in den Widerstand zu gehen, gewesen ist. Außerdem hält die Rezensentin als besonders interessant fest, dass bereits 1942, also lange bevor sie sich in der Widerstandgruppe "Weiße Rose" engagierte, bereits um den Kauf eines Vervielfältigungsapparats bemüht hatte. Einen exakten Moment des Umschwungs vom Mitglied im "Bund Deutscher Mädel" zur Widerstandskämpferin kann auch die Autorin nicht bestimmen und so liegt für Fröhlich die Schlussfolgerung nahe, dass es ein durch den Glauben und den "wachsenden Druck" ausgelöster Entwicklungsprozess war, der Sophie Scholl in den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime trieb.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.04.2010

Mit gemischtem Gefühl legt Sabine Seifert diese ambitionierte Sophie-Scholl-Biografie beiseite. Zwar kann sie bestätigen, dass das Vorhaben der Biografin, das Bild dieser jungen Widerstandsikone durch Auswertung neuer Dokumente zu schärfen, gelungen ist. So werde das protestantische Herkunftsmilieu ebenso wie frühe HJ- und BDM-Aktivitäten der Scholl-Geschwister beleuchtet. Trotzdem ist das Profil Sophie Scholls aus Sicht der Kritikerin nicht unbedingt schärfer geworden. Auch fehlt dem Buch aus Seiferts Sicht der literarische Funke, der Leser mit Drive durch die Lektüre trägt, weiß die Kritikerin nicht, wen Barbara Beuys mit ihrem Buch überhaupt erreichen wollte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.03.2010

Rundum überzeugend findet Rezensent Oliver Pfohlmann diese Biografie Sophie Scholls, die Barbara Beuys vorgelegt hat. Er lobt die hervorragende Lesbarkeit dieser Arbeit sowie die gründlichen Recherchen der Autorin, die auch auf bisher unbekannte Dokumente zurückgreifen konnte. Beuys liefert in seinen Augen eine Menge neuer Antworten. Dabei bescheinigt ihr Pfohlmann, zwar keine ganz andere, ganz neue Geschichte Sophie Scholls zu schreiben, wohl aber eine "glaubwürdigere". Er hebt hervor, dass die Autorin Mythen, die sich um die Geschwister Scholl ranken, "behutsam und überzeugend" relativiert und korrigiert und auch den Blick für "Widersprüche und unbeantwortbare Fragen" schärft.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.02.2010

Als Ereignis wertet Volker Ullrich diese "einfühlsame, jede heroisierende Tendenz vermeidende" Sophie-Scholl-Biografie. Sie ist aus seiner Sicht nicht allein glänzend geschrieben, sondern öffnet auch neue Zugänge zum Verständnis dieser Widerstandskämpferin. Besonders faszinierend findet der Kritiker an dieser, unter anderem den Nachlass der Schollschwester Inge Aicher-Scholl auswertenden Lebensbeschreibung die Schilderung der anfänglichen enormen Begeisterung der Geschwister für das Nazi-Regime. Auch die Beschreibung des dementsprechend "keineswegs gradlinigen" Weges in den Widerstand hat Ullrich in höchstem Maße gefesselt - Sophies langer, quälender Prozess des eigenen Nachdenkens bis zu ihrem Entschluss, das "verbrecherische Regime zu stürzen". Minutiös habe die Biografin, manchmal Tag für Tag, die Aktivitäten Sophie Scholls rekonstruiert und das schillernde Porträt einer zwischen Gefühl und Verstand hin- und hergerissenen jungen Frau gezeichnet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.02.2010

Eindrucksvoll findet Dorion Weickmann Barbara Beuys' Biografie über die Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Weickmann anerkennt, dass Beuys die Darstellungen der "Weißen Rose" ergänzt, vor allem, dass sie die Frau Sophie Scholl würdigt, ihren von Versuchungen (Sympathien mit den Nazis etwa) geprägten Weg, indem sie anhand von bislang unerschlossenem Quellenmaterial und einer Andersgewichtung von Bekanntem ein "plastisches Charakterporträt" modelliert, das wiederum die Zerrissenheit der jungen Frau zwischen Körper, Geist und Seele, Sexualität, Vernunft und Religion aufzeigt. Den Forschungsstand und die Scholl'sche Familienüberlieferung zu korrigieren, gelinge der Autorin hingegen nicht immer überzeugend, räumt die Rezensentin ein.
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