Klappentext

Es ist eine dieser Nächte, die man durcherzählen muss. Das zumindest findet Bill, der auf dem Flug von Bangkok nach Zürich neben Emma sitzt. Bill geht ihr gehörig auf die Nerven. Mit Donnerstimme erzählt er aus seinem Leben - und um sein Leben, und nicht nur Emma, sondern auch andere Passagiere sind gezwungen zuzuhören. Trotz ihres Widerstands werden sie aber alle, Emma, Michael, Stefan, Walter und ein Junge, ja, auch die japanische Familie in der hinteren Sitzreihe, vom Sog der Geschichten erfasst, wobei eigene Geschichten und Fantasien wachgerufen werden. Alle diese Geschichten fügen sich zu einem Reigen, bei dem sich ungeahnte Bezüge und Entsprechungen und ein geheimnisvoller Mittelpunkt herausschälen. Denn Bill beschwört sprachgewaltig Orte, Leute und seltsame Wesen herauf. Die zwölf Stunden dieser Flugnacht entwickeln einen gefährlichen Reiz - und bekommen nicht allen gleich gut.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.06.2018

Martin Ebel geht an Bord des fliegenden Teppichs, einer Boeing 777 auf dem Weg von Bangkok nach Zürich, und lauscht dem Erzähler aus 1001 Nacht, einem etwas unsympathischen Schwadroneur in Christina Viraghs Roman. Wie die Sitznachbarn des Amerikaners kann Ebel bald nicht genug kriegen von den sich durch Kommentare, Interpretationen und Wiederaufnahme verzweigenden Geschichten. Wie Viragh hier in den unterschiedlichen Zungen der Passagiere spricht, Logik und Plausibilität, Zeiten und Räume strapaziert, ergibt für Ebel eine höchst kunstvoll gestaltete Suada.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2018

Rainer Moritz kann sich erwärmen für Christina Viraghs Erzählen. Den vorliegenden Roman hält er für ihr Opus magnum. Anlass und Ort für diesen den Kritiker in Bann schlagenden Erzählreigen ist ein Landstreckenflug von Bangkok nach Zürich. Wie die Autorin die unterschiedlichen Biografien einer Handvoll Reisender in einem kunstvollen Geflecht miteinander verwebt, findet er erstaunlich. Bei aller Komplexität bleibt es für Moritz spannend, wenn die Schwierigkeit, Zuammenhänge erinnernd herzustellen, im Text behandelt wird. Reprisen und Leitmotive organisieren den Reigen, meint er, und machen diesen Flug zu einem intellektuellen und emotionalen Abenteuer, ohne je bloß artifiziell zu wirken.