Der Journalist und Satiriker Christian Y. Schmidt kennt sich in China bestens aus, ist er doch mit einer Chinesin verheiratet und lebt in Peking. Hier beobachtet, probiert und kostet er, was er an typisch Chinesischem, an Seltsamem und Bemerkenswertem so vorfindet. Fünf Jahre lang berichtete er darüber in seiner "Titanic"- Kolumne "Bliefe von dlüben". Jetzt gibt er alles: Er hat ein ganzes Buch geschrieben. Und zwar das Handbuch für künftige Chinaversteher. Kultur, Alltag, Politik - kein Bereich wird ausgespart. Mit viel Charme und zuweilen grellem Witz erzählt Schmidt, wie er sich unerschrocken durch den chinesischen Alltag manövriert: Im Restaurant bekommt er lebenden Fisch serviert, und die Raubkopie von "Bridget Jones", auf die er sich so freute, hat "Piano"-Untertitel. Außerdem kennen Taxifahrer hier keine Anschriften; sie orientieren sich grob am Stand der Sonne, dem Vogelflug und den Gezeiten. Aber es geht Schmidt auch um ganz solide Fragen, zum Beispiel, welche Folgen die von der chinesischen Regierung initiierten Zivilisierungsmaßnahmen (nicht rotzen, nicht rauchen, nicht im Pyjama rausgehen) für Chinas Kultur haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.03.2010
Rezensent Ralf Husemann rät, sich nicht vom kalauernden Titel abhalten zu lassen. Christian Y. Schmidt gelingt seiner Meinung nach mit "Bliefe von dlüben" tatsächlich eine interessante und aufschlussreiche Reportage über China. Der mit einer Chinesin verheiratete und in China lebende Autor bringt dem Leser in 35 Kapiteln, die auf stark überarbeiteten Titanic-Kolumnen beruhen, das Reich der Mitte "auf unterhaltsame Weise" nahe, so der Rezensent, und räumt mit Klischees und Ahnungslosigkeiten über China auf, ohne es zu verherrlichen. Dabei erfuhr Husemann unter anderem, dass chinesische Internet-Zensur nur noch Hindernisse für Dumme sind, die nicht wissen, wie man sich die passende Software herunterlade, um die Zensur zu umgehen oder von der Delikatesse des "unsterblichen Fischs", dessen Kopf mit ansehen muss, wie sein Körper verzehrt wird.
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