Christian Gerlach

Der Mord an den europäischen Juden

Ursachen, Ereignisse, Dimensionen
Cover: Der Mord an den europäischen Juden
C.H. Beck Verlag, München 2017
ISBN 9783406707100
Gebunden, 576 Seiten, 34,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Martin Richter. Christian Gerlach bietet mit diesem kompakten Überblick eine nach Themen geordnete Analyse der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden und schließt zugleich eine Lücke. Seine Studie untersucht erstmals systematisch das Vorgehen nichtdeutscher Regierungen und Gesellschaften gegen Juden. So kann sie zeigen, dass der Mord an den europäischen Juden ein Prozess war, an dem sich viele Gruppen mit ganz unterschiedlichen Motiven beteiligt haben. Nach einem kurzen chronologischen Aufriss analysiert  Gerlach der Reihe nach zentrale Themenkomplexe wie Kriegführung, Außenpolitik, rassistisches Denken, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie die Verfolgung nichtjüdischer Opfergruppen. Indem er sie in einen Wirkungszusammenhang stellt, legt er wichtige Aspekte jenseits der üblichen Erklärungsmuster frei. Auch das Verhalten und die Überlebensstrategien jüdischer und anderer Verfolgter werden dargestellt. Gerlachs beeindruckend kenntnisreiche und kluge Analyse ist eine zuverlässige neue Einführung in das wohl schwierigste historische Thema des 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2017

Klaus-Dietmar Henke läuft es kalt den Rücken runter, wenn ihm Christian Gerlach detailreich vor Augen führt, was geschieht, wenn ungehemmter Nationalismus auf gelockerte gesellschaftliche Solidarität und sich auflösende soziale Bindungen trifft. Dass der Autor sein Buch breit anlegt und den deutschen Vernichtungswillen in all seinen Ausprägungen vorführt, findet er stark. Sachkenntnis und Methodik und Sprache des Buches überzeugen Henke ebenso wie der Fokus des Autors auf eine Sozialgeschichtsschreibung der Massengewalt. Wie die Juden in Italien, Ungarn oder der Slowakei verfolgt wurden, wie sich die deutsche Politik vom Nordkap bis Sizilien auswirkte und welche materiellen, gesellschaftlichen und politischen Interessen dabei eine Rolle spielten, kann ihm Gerlach analytisch als Geschichte sozialer Akteure zeigen. Einsichten, wie die, dass die Ungereimtheiten der nationalsozialistischen Rassenlehre der Willkür der Täter Tür und Tor öffneten, gehören für den Rezensenten zu den Verdiensten der Arbeit.

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