Christian Gailly

Ein Abend im Club

Roman
Cover: Ein Abend im Club
Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783827004987
Gebunden, 142 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Doris Heinemann. Wer kennt sie nicht, diese uralte Sehnsucht nach einem Wendepunkt im Leben, nach Neuanfang? Ein paar Zufälle nur, und alles wird anders, wendet sich zum Glück. Simon Nardis, Ingenieur aus Paros, hilft einem Kollegen in einem Badeort an der Atlantikküste. Um sich die Zeit bis zur Abfahrt seines Zuges zu vertreiben, gehen sie in den örtlichen Jazzclub. Ein junges amerikanischen trio spielt. Simon, der ehemalige Jazzpianist, hat zehn Jahre lang kein Klavier mehr angerührt und keinen Alkohol, um nicht wieder jener tödlichen Mischung zu verfallen, an der er fast zu Grunde gegangen wäre, wenn ihn nicht Suzanne, seine Ehefrau, gerettet hätte. Das Trio spielt seinen Stil - der ihn in der Welt des Jazz von New York bis Kopenhagen berühmt gemacht hat. Und Simon trinkt ein erstes Glas, setzt sich ans Klavier, schlägt einige Akkorde an. Die Jazzsängerin Debbie Parker erkennt sein Spiel - und die Liebe hat ihren Auftritt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2004

Wenn ein Rezensent zu der Feststellung greift: "...hätte auch ein Flaubert nicht besser erzählen können", dann ist das wohl ein superlativisches Kompliment. Jürgen Ritte bescheinigt der Übersetzerin von Christian Gaillys Roman "Ein Abend im Club", dass sie "klug" sei, doch könne von Gaillys "virtuos musikalischer Sprachbehandlung" "auch die beste Übersetzung nur eine vage Idee vermitteln". Um die Raffinesse des Autors zu preisen, greift Ritte denn auch auf die Formulierungen des französischen Originals zurück. Aber da ist ja auch noch die Geschichte. Die Geschichte eines begnadeten Jazzpianisten, der in letzter Sekunde von einem Zug abgesprungen ist, der ihn mit "Drogen, Alkohol, ja, auch Frauen" früher oder später ins Verderben geführt hätte. Ein "Spiel mit den Klischees des Genres Jazzliteratur" mithin. Der Jazzpianist jedoch wird, zur Ausübung seines neuen Berufs in ein Seebad gerufen, rückfällig - und findet nicht etwa den Tod, sondern sein Glück mit der Soubrette Debbie. Die Ehefrau, die sich auf die Suche nach ihrem Mann gemacht hat, wird durch einen Autounfall beseitigt und besiegelt damit einen "alles in allem trivialen, niedrigen, aber unerhörterweise wahr gewordenen Tagtraum". Fazit des Rezensenten: "Das ist rührend, kitschig und wahr."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.01.2004

Martin Zingg ist richtig angetan von diesem Roman über die Leidenschaften eines ehemaligen Jazz-Musikers, auch wenn er feststellen muss, dass die Handlung eigentlich kaum nacherzählbar ist, weil sie dann "schnell einmal unter dringendem Kitschverdacht steht". Doch trotzdem funktioniert die Geschichte und die in ihr thematisierte "schmerzhafte Nachbarschaft von Liebe und Tod". Doch mindestens ebenso interessant wie den Inhalt findet Zingg, wie die Geschichte erzählt ist. Er lobt die "ungemein musikalische Schreibweise" des früheren Jazz-Saxophonisten und jetzigen Autors Christian Gailly. Sie ist angefüllt "mit Schleifen, mit Wiederholungen und Refrains und Echos. Bis in die Satzmuskulatur hinein spürt man die musikalischen Phrasierungen." Das fördert auf jeden Fall die Spannung der Erzählung, findet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2003

Elf Bücher habe Christian Gailly bereits bei den kleinen aber feinen "Editions de Minuit" veröffentlicht, erzählt Michael Adrian, und bislang habe immer ein musikalisches Werk oder eine Musikrichtung den Weg und den Ton vorgegeben. So auch in diesem Fall, bei dem Gailly die Jazz-Thematik aus seinem Roman "Bebop" aufgreife und einen in die Jahre gekommenen Ingenieur, der in einem früheren Leben Pianist und alkoholabhängig war, in einem Jazz Club der Provinz auf sein altes Suchtverhalten stoßen lässt. Zwei Liebesgeschichten entspinnen sich an diesem Abend: eine alte mit der Musik und eine neue mit der Clubbesitzerin, wobei Gailly für Letztere alle Mittel seiner raffinierten Sprachkunst aufwende, so Adrian. Denn Gailly nehme sein musikalisches Thema ernst und lasse seiner Prosa freien Lauf, die vor- und zurückspränge, aber hier und da für kleine rhythmische Dialoge innehalte, die artistischen Soli glichen und die Übersetzerin eindeutig an ihre Grenzen brächten. Doch bleibe die scheinbar so freie Sprache stets im Dienst der Geschichte, betont der Rezensent, der die stilistische Leichtigkeit Gaillys nicht genug loben kann, die den großen Themen Kunst, Liebe, Opfer, Tod zugleich ihren Ernst und ihre Würde belasse.
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