Leslie Kaplan

Fever

Roman
Cover: Fever
Berlin Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783827006288
Gebunden, 207 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Sonja Finck. Der Roman setzt mit einem Paukenschlag ein: dem Mord an einer jungen blonden Frau, begangen von zwei Abiturienten, die sich ihr Opfer nach dem Zufallsprinzip ausgesucht haben. Ein klassischer "acte gratuit", ein absurder Akt der Revolte, ganz in der Tradition von Dostojewskis "Verbrechen und Strafe" oder Andre Gides "Verliesen des Vatikans". Und wie bei den Vorbildern steht nicht das Verbrechen im Zentrum, sondern die Auswirkungen auf die Täter. Bei beiden stellen sich, zunächst unmerklich, Störungen ein, Desinteresse, Aggressionsausbrüche, Albträume. War der Zufall, durch den sie sich vor Entdeckung geschützt glaubten, doch nicht so zufällig? Hatte das blonde Opfer nicht große Ähnlichkeit mit der verehrten, aber unerreichbaren Philosophielehrerin? Und liegt in ihrer Familiengeschichte nicht ein Muster vor, dem sie unbewusst folgten? Pierres Großvater Elie, ein galizischer Jude, hat seit Jahren das Schweigen gewählt, und Damiens Großvater Rene arbeitete für Vichy in der Kollaboration. Vererben sich verdrängte und verschwiegene historische Verbrechen weiter?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2006

Ein "sehr französisches Buch" erblickt Ingeborg Harms in Leslie Kaplans Roman über zwei gut situierte Gymnasiasten, die das Gedankenspiel um ein perfektes Verbrechen in die Tat umsetzen. Doch schnell wird für Harms deutlich, dass es sich bei dem vermeintlich motivfreien und sinnlosen Mord in Wirklichkeit um einen "archaischen Akt" im Geschlechterkrieg handelt, und um eine "hilflose Ersatzhandlung adoleszenter Verliebtheit", was die Freunde allerdings erst allmählich begreifen. Dass Kaplan die Tat mit der dunklen Vergangenheit der Großväter der jugendlichen Mörder in Beziehung setzt, verleiht dem Roman nach Ansicht von Harms eine zusätzliche Dimension. So erzählt der Roman nicht nur von fehlgeleitetem "jugendlichen Enthusiasmus", sondern auch von "generationsübergreifenden Hypotheken", Trauerarbeit und Umgang mit der eigenen Schuld.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2006

Der Rezensent Thomas Laux findet, dass Leslie Kaplan mit ihrem neuen Roman, dem ersten seit einer längeren Zeit - gescheitert ist - und zwar gleich in doppelter Hinsicht: "dramaturgisch" ebenso wie "strukturell". Sie schaffe es nämlich nicht, die zwei wesentlichen Elemente ihres Romans zusammenzuführen: den von zwei jungen Männern begangenen Mord und deren Interesse an der Schuld ihrer Großväter im Zweiten Weltkrieg. Der Verdacht, den sie streut - dass unaufgearbeitete Verbrechen sich an die nächste oder übernächste Generation weitervererben - wird im Buch kaum unterfüttert. Der "Hauch sartrescher litterature engagee" verpufft nach Meinung des Rezensenten und führe den Leser nirgendwo hin: "Kaplan desavouiert den gesamten aufklärerischen Aspekt ihres Romans."

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