Chloe Hooper

Märchen eines wahren Mordes

Roman
Cover: Märchen eines wahren Mordes
Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783827004673
Gebunden, 256 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem australischen Englisch von Barbara Schaden. Die blutjunge Kate ist Lehrerin an einer Grundschule im Herzen Tasmaniens, der ehemaligen australischen Sträflingskolonie. Ihr Lieblingsschüler ist Lucien, ein hochbegabter, eigenwilliger Junge, Ebenbild seines Vaters, dessen Verführungskünsten Kate erlegen ist. Die Frau des Geliebten, eine rothaarige, orchideenhafte Schönheit, hat gerade ein Buch veröffentlicht: "Mord in Black Swan Point". Es ist die Geschichte eines wahren Mordes, der sich hier auf der Insel ereignet hat und nie wirklich aufgeklärt wurde - ein klassisches Eifersuchtsdrama. Je mehr sich Kate in ihre lolitahafte Beziehung zu Luciens Vater verstrickt, desto größer wird ihr Interesse an jenem "Mord in Black Swan Point", der die Dreieckskonstellation, auf die sie sich eingelassen hat, auf fatale Weise spiegelt und ihr einen blutigen Ausgang zu prophezeien scheint ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2003

Sehr fesselnd findet der Rezensent Tilman Urbach das Erstlingswerk der Autorin Chloe Hoopers über eine junge Frau, die "am Rande der australischen Wirklichkeit im Herzen Tasmaniens" als Lehrerin arbeitet. "Als schrecklich schöne Verstrickung, als stets neue Geschichte, heimtückisch und voller Fußangeln" beschreibt er den Roman, der zwar ein altes Thema behandelt, sich aber "leichtfertigen Etikettierungen widersetzt". "Die literarische Intensität des Romans" speist sich nach Meinung des Rezensenten aus der "Inszenierung klaustrophober Angst". Er berichtet, dass die Autorin für ihr Buch Recherche an verschiedenen Elementarschulen betrieb, um den Blickwinkel von Kindern einzufangen. So gibt es Verlagerungen von Handlungssträngen des Buches in "die Tierwelt australischer Kinderbücher", die der Autor als "grotesk", aber durchaus positiv bewertet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2003

Tobias Rüther ist außerordentlich beeindruckt von Chloe Hoopers Romandebüt. Die Geschichte "schillert in der Sonne, dampft vor Erotik und zittert vor Gewalt - was Chloe Hooper aber alles souverän kontrolliert", so der begeisterte Rezensent. Hooper entwickelt ein bemerkenswertes Gespür für Schwäche, die sie mit kühler Neugier statt Mitgefühl untersucht, meint Rüther. Die auf der ehemaligen Sträflingsinsel Tasmanien angesiedelte Dreiecksgeschichte hat das Zeug zu einem wahren Psychothriller, behauptet er, doch dieser Versuchung gebe die Autorin eben nicht nach, sondern treibe stattdessen die Geschichte um Kate, die Ehebrecherin, weiter nach innen, verenge sie auf ihre Perspektive. Kate identifiziert sich mit einer anderen Ehebrecherin, die vor Jahren ermordet wurde, erklärt der Rezensent, und die Autorin spiegelt Kates Geschichte in der Vorgeschichte, so wie Kate wiederum beginnt, ihre Liebesdelikte in einer Erzählung für Kinder aufzuschreiben, so dass sich der Roman stellenweise liest, so Rüther, "als erzählte Beatrix Potter James Ellroy nach". Dieser weichgezeichnete Kontrast von Erotik, Gewalt, Scham macht für Rüther das zugleich Faszinierende wie Verstörende dieses Porträts aus. "Von einer," schreibt er begeistert und meint nicht die Autorin, sondern die Protagonistin Kate, "die sich auszog, um das Fürchten zu lernen".
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