Charlie English

Die Bücherschmuggler von Timbuktu

Von der Suche nach der sagenumwobenen Stadt und der Rettung ihres Schatzes
Cover: Die Bücherschmuggler von Timbuktu
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2018
ISBN 9783455503722
Gebunden, 432 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Timbuktu ist ein Mythos - einst so reich, dass angeblich sogar die Sklaven Goldschmuck trugen, verfügt die abgelegene Stadt am Niger über einen ganz besonderen Schatz: eine der größten Bibliotheken mittelalterlicher Schriften. Als im Jahr 2012 die Stadt in die Hände von Islamisten fällt, droht die Vernichtung der Bücher. Doch eine Gruppe von Bibliothekaren und Archivaren schmuggelt die Bücher unter Lebensgefahr aus der Stadt. Eine Reportage über Menschen, die sich mutig der Vernichtung eines Wissensschatzes und Erbes der Menschheit entgegenstellen - und eine Zeitreise zu einer sagenumwobenen Stadt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.06.2018

Dass die seit eh und je sagenumwobene Wüstenstadt Timbuktu weder ein glitzerndes Eldorado noch die Heimat von Märchengestalten und unfehlbaren Helden ist, musste bereits der britische Abenteurer Alexander Gordon Laing feststellen, erzählt Rezensent Ronald Düker. Dieselbe Einsicht wird den Leser von Charlie Englishs hervorragender Reportage über die "Bücherschmuggler von Timbuktu" überfallen und enttäuschen. Zweifellos - die Geschichte, die English erzählt, beginnt wie eine Heldensaga: Nachdem die von Tuareg gegründete Stadt im Jahr 2013 von der nordafrikanischen al Qaida heimgesucht und ihre berühmte Bibliothek in Flammen aufgegangen war, stellte sich heraus, dass ein Großteil der uralten dort gelagerten Manuskripte gar nicht zerstört wurde, weil ein wagemutiger Bibliothekar sie mit der Hilfe einiger weniger Helfer in einer wahnwitzigen Rettungsaktion aus der Stadt geschmuggelt hatte. Der ehemalige Nachrichtenchef des Guardians erzählt diese Geschichte inklusive einiger historischer Erläuterungen über Timbuktu auf "elektrisierende Weise", jedoch nicht ohne sie danach in Frage zu stellen. Offenbar wurde sowohl die Zahl der Bücher als auch das Maß der Gefahr schamlos übertrieben. Warum - darüber können Autor und Rezensent nur Vermutungen aufstellen. "Ein Meisterstück" nennt Düker dieses Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2018

Erst ganz am Schluss des Buches von Charlie English erfährt Andreas Eckert, inwieweit die Ausführungen im Text über die sagenhafte Rettung der Bibliothek von Timbuktu vor den Dschihadisten von Mythologisierungen geprägt sein dürften. Da hat ihn der Journalist English bereits das Staunen gelehrt - über mutige Bibliothekare und entschlossene Einwohner, die ihren Schatz in einer waghalsigen Aktion in Sicherheit bringen. Dass sich die Rettung in eine lange Reihe von Erzählungen über Timbuktu einreiht, die mächtig zwischen Mythos und Realität schwankt, ändert für Eckert allerdings nichts am Wert der Lektüre. Anregend findet er, wie der Autor die Geschichte der Entdeckungsreisen mit der genauen Rekonstruktion der Bücherrettung verzahnt.