Aus dem Französischen von Ela zum Winkel. Faydé lebt in den Bergen im äußersten Norden Kameruns. Nachdem ihr Vater bei einem Überfall von Boko Haram verschwunden ist, beschließt sie, in die nächstgelegene Stadt Maroua zu gehen. Dort will sie als Hausmädchen arbeiten, um ihre Mutter und ihre Geschwister zu unterstützen. Faydé lernt die zermürbende Realität ihres neuen Arbeitsplatzes kennen und erfährt die offene Verachtung der Oberschicht gegenüber Menschen ihres Standes. Schnell erkennt sie die ungeschriebenen und gnadenlosen Regeln, die sie unter anderem zu einer potenziellen Beute für die Männer des Haushalts machen. Trotz der Widerstände kämpft Faydé gemeinsam mit ihren Freundinnen ums Überleben und um den Aufbau einer Zukunft. Lebhaft und liebenswert, manchmal verzweifelt, träumt sie von Erfolg, Freude oder Liebe. Wird es Faydé gelingen, sich in einer Gesellschaft durchzusetzen, in der ihr Schicksal vorbestimmt zu sein scheint?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.12.2023
Die Kamerunische Schriftstellerin Djaïli Amadou Amal bietet Rezensentin Andrea Pollmeier rare Einsichten in die "Innenwelt einer postkolonialen Gesellschaft". Amal erzählt die Geschichte von Faydé, die im Norden Kameruns aufwächst, wie die Autorin selbst. Gleich zu Beginn macht die Autorin, so Pollmeier, die existenziellen Schwierigkeiten klar, denen die Menschen, vor allem Frauen, in dieser Region ausgesetzt sind: Überfälle von Boko Haram, Armut, patriarchale Strukturen, die beispielsweise in der Zwangsehe überdauern, Vergewaltigungen. Faydé entscheidet sich deshalb als Dienstmädchen in der Stadt zu arbeiten, oft ist das kein Weg zum Glück, lesen wir, denn Bedienstete haben niemand, der für ihre Rechte eintritt. Pollmeier schätzt die Nüchternheit und den Detailreichtum, mit dem die Autorin hier die Stimmen der "Ungesehen" hörbar macht und das vielschichtige Bild einer Gesellschaft zeichnet, die von starren Klassenunterschieden und Machtstrukturen beherrscht wird.
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