Charles Patterson

Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka

Über die Ursprünge des industrialisierten Tötens
Cover: Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka
Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783861506492
Gebunden, 305 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Peter Robert. Die Zivilisationskritik, die der Sozialhistoriker Charles Patterson in diesem Buch vorlegt, ist radikal und bedrückend. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Verhältnisses von Mensch und Tier. Patterson legt dar, dass die großen Schritte in diesem Verhältnis, Domestizierung von Haustieren, ihre Abrichtung zu willenlosen Arbeitssklaven, der allmähliche Übergang zu Massenzucht und Massentierhaltung, das industrielle Töten am Fließband in Schlachthoffabriken einer niemals unterbrochenen Linie und Logik folgen, einer Logik der stetigen Verrohung. Ihren Kulminationspunkt erreicht diese Entwicklung im 20. Jahrhundert. Es gibt einen direkten Weg, der von den gewaltigen Großschlachthöfen Chicagos Ende des 19. Jahrhundert zu den Vernichtungslagern der Nazis führt. Patterson zeigt, die Routinen des Genozids schreiben die Routinen des Massenmord an den Tieren fort.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2005

Eberhard Rathgeb kann dieses Buch von Charles Patterson jedem Fleischesser und jedem Vegetarier, vor allem den jüngeren, nur empfehlen, zumal es "einfach und mit deutlichen Worten" geschrieben sei, und Ungeheuerliches in These, Geschichte und Zitat bündle. Als entschiedener Vegetarier Rathgeb nimmt seine Besprechung zum Anlass, in mehr oder weniger eindringlichen Szenen den Fleischkonsum zu geißeln. Für Patterson, der in seinem Buch einen geraden Weg von der Hölle der amerikanischen Schlachthöfe zu den deutschen Konzentratrionslagern verlaufen sieht, hat Rathgeb entsprechend viel Sympathie. Natürlich hebt er hervor, dass der Schlachthof und die Gaskammer zweierlei sind. Den "gemeinsamen Schreckensnenner" von Schlachthof und Gaskammer erblickt er aber mit Patterson im technischen System der Tötungsindustrie. "Aber diese Einsicht wird wahrscheinlich kein Schlag in den Magen des Fleischessers sein", resümiert der Rezensent betrübt, "und sie wird deshalb wahrscheinlich nicht ausreichen, um den Fleischesser vom Fleisch zu vertreiben".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2004

Ein "nachdenklich stimmendes Unterfangen" nennt Rezensent Martin Urban dieses Buch über die "Ursprünge des industrialisierten Tötens", auch wenn ihm der Titel "Für die Tiere ist jeder Tag Treblinka" zu weit geht. Autor Charles Patterson untersuche den Zusammenhang zwischen dem Umgang des Menschen mit den Tieren und den Umgang mit seinesgleichen. Dazu zeichne er nach, wie auf die Domestizierung und Versklavung der Tiere die Versklavung von Menschen folgte, wie Methoden von Tierzüchtern auf Menschen übertragen wurden. Insbesondere die detaillierten Beschreibungen von Schlachtfabriken findet Urban "schwer erträglich". Patterson mache darauf aufmerksam, dass viele maßgebliche Funktionäre des Holocaust ausgebildete Landwirte waren, die bei der Perfektionierung des Tötens Schlachthäuser als Vorbild vor Augen hatten. Insgesamt wertet der Rezensent Patterons Buch als eine "anstrengende, keine vergnügliche, vielleicht dennoch notwendige Lektüre".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2004

Der Rezensent mit dem Kürzel "rox" ist gar nicht überzeugt von dieser ausgesprochen radikalen Zivilisationskritik, auf die sich der amerikanische Historiker Charles Patterson in seiner Geschichte des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier stützt. Vor allem kritisiert der Rezensent, dass Patterson nicht "zwischen der Leidensfähigkeit von Tier und Mensch" differenziert. Diese Sicht führt wiederum zu einer recht gewagten, an einigen Tabus rührenden Behauptung, die nach Meinung des Rezensenten die zentrale These des Buches ist: dass "die empathielose Rohheit, die die westliche Zivilisation über Jahrtausende im brutalen Umgang mit Tieren eingeübt habe, sich in den Vernichtungslagern der Nazis nun gegen die Menschen schlechthin gewandt" hat.
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