Rainer Wiedenmann untersucht historisch soziologisch, wie sich die Muster im menschlichen Umgang mit Tieren und die sie stützenden Semantiken historisch veränderten. In drei Fallstudien analysiert er exemplarisch die humanimalischen Beziehungen. Der Autor beschreibt sozialtheoretisch die langfristigen Veränderungen und die Ambivalenzen des Verhältnisses und zeigt, wie soziale Differenzierungsprozesse in westlichen Ländern mit der Polarisierung der Beziehungen zu Tieren einhergehen. Das Verhältnis zum Heimtier beispielsweise kennzeichnen Bezüge zur modernen Liebessemantik, während Nutztiere einer versachlichenden Tierkonstruktion unterworfen werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2003
Michael Adrian ist beeindruckt von diesem Rundumschlag zum Mensch-Tier-Verhältnis, auch wenn der Autor Rainer E. Wiedenmann nach Meinung des Rezensenten manchmal ein bisschen arg dick aufträgt, was den Theoriejargon betrifft. Trotzdem gibt es in der Studie viel interessantes zu entdecken, nehmen Tiere seit der Moderne doch "eine prekäre Randstellung" in unserer Gesellschaft ein, "aus der sie in die soziale Welt hineinreichen wie auch herausfallen können". Wiedenmann stelle mit seiner historisch angelegten Arbeit viel scheinbar Eindeutiges in Frage, zum Beispiel die "grundsätzliche Kluft zwischen 'humanimalischer' und zwischenmenschlicher Kommunikation" und komme dabei zu interessanten Ergebnissen. Nach Ansicht des Rezensenten hat der Autor auch eine moralische Mission: Er verortet in diesem Buch "eine Unruhe, einen möglichen Wandel in den Mensch-Tier-Verhältnissen, die [Wiedenmann] wohl auch befördert wissen will."
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