Charles Darwin

Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei den Menschen und den Tieren

Kritische Edition
Cover: Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei den Menschen und den Tieren
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783821841885
Gebunden, 413 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von J. V. Carus und U. Enderwitz. Einleitung, Nachwort und Kommentar von Paul Ekman. Mit historischen Fotografien. Woher kommt es, daß wir aus Scham oder Peinlichkeit erröten? Warum wedeln Hunde mit dem Schwanz? Warum schnurren Katzen? Wir lachen, wenn man uns kitzelt und beißen, was wir lieben. Viele Rätsel dieser Art hat Charles Darwin in seinem Besteller aus dem Jahr 1872 gelöst, und sein Buch beschäftigt die Forschung bis auf den heutigen Tag. Er hat das Verhalten von Babies und kleinen Kinder, von Wahnsinnigen, Menschen aus fernen Kulturen, Katzen, Affen und Hunden studiert, und seine Ergebnisse halten immer noch stand. Paul Ekman ist die erste kritische Edition dieses Meisterwerks zu verdanken. Nicht nur hat er im Licht von Darwins Aufzeichnungen einen definitiven Text hergestellt und die vielen Illustrationen richtig positioniert; seine Kommentare berücksichtigen auch den neuesten Stand der Forschung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2001

Hanno Zickgraf preist diese kritische Ausgabe der Darwinschen Studie als die "bisher vollständigste von allen". Zudem sei sie auch noch "formidabel übersetzt" und mit vielen historischen Abbildungen versehen. Der Rezensent ist derart begeistert von der Untersuchung, dass er sie jedem Schauspieler zum Studium der Mimik und jedem Schriftsteller zur Stilübung anrät. Zwar habe das Buch seinerzeit nicht für einen Skandal gesorgt wie Darwins berühmteres Werk "Die Abstammung des Menschen", doch habe es die "gleiche Stoßrichtung", indem es die Analogien zwischen Mensch und Tier untersucht und mit einer gemeinsamen Abstammung begründet. Der Rezensent lobt den "filigranen" Stil Darwins, den er an der "alten Histoire naturelle geschult" sieht und begrüßt es nachdrücklich, dass es der Verhaltensbiologe Ekman auf sich genommen hat, nicht nur das Werk Darwins neu zu edieren und zu kommentieren, sondern auch dessen Thesen mit "den heutigen Standards mehr als gerecht werdenden" Experimenten untermauert.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.02.2001

Die Erstausgabe des Buchs erschien 1872, teilt Krischan Schroth mit. Die nun vorliegende kritische Edition, betreut von Paul Ekman, einem Psychologieprofessor aus San Francisco, schaltet zwischen Darwins minutiöse Beobachtungen menschlicher und tierischer Gemütsbewegungen verschiedene Kommentare, die Darwins Überlegungen ergänzen, unterstützen oder auch widerlegen, so der Rezensent. Von wem diese Kommentare stammen, sagt er uns jedoch nicht. Darwin habe einerseits versucht, der Physiognomie von Gefühlsregungen auf die Spur zu kommen (welcher Muskel regt sich wann und bei was?), andererseits allgemeine Prinzipien zu ergründen (was ist angeboren oder anerlernt, was willkürlich oder unwillkürlich, was universell oder kulturell geprägt?). Schlussfolgerungen zieht Schroth in seiner kurzen Besprechung keine, sondern verweist allgemein bleibend auf den zu gewinnenden "Einblick in den Wandel von Sprache und Wissenschaft".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000

Darwinismus und kein Ende: Helmut Mayer sind ein neuedierter Originaltext vom Meister selbst und drei Neuerscheinungen Anlass zu einem gut verständlichen Streifzug durch der Thesenurwald der “Selektion” und ihrer Auswüchse.
1) Thomas P. Weber: `Darwin und die Anstifter`
Mayer bescheinigt dem Biologen und Wissenschaftshistoriker Weber eine “durchaus erhellende” Traditionslinie ausgemacht zu haben, wenn er die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen “Strukturalisten” und “Adaptionisten” auf Debatten vor Darwin bezieht, die diesen prägten. Strukturalisten, das sind heute die, die auf stabile (genetische) Grundstrukturen setzen, Adaptionisten dagegen betonen die Anpassungsleistung des (menschlichen) Organismus. Mayer freut sich, dass Weber die “evolutionäre Psychologie” als Erbe der Soziobiologie “kritischen Abwägungen” unterzieht. Das Gehirn als Computer aus Verhaltensmodulen - und damit die Übertragung des Selektionsmechanismus auf (kulturelle) Verhaltensweisen - hält er für Mumpitz.
2) Blackmore: `Die Macht der Meme`
Dementsprechend hält er auch nichts von Blackmores “nüchtern-naiver Theorie” der “Meme” als Basiseinheit der kulturellen Evolution qua Selektion und Pendant der “Gene”. Richard Dawkins (“Das egoistische Gen”) hatte eher assoziativ den Begriff geprägt. Die Pointe ist für Mayer, dass damit das Prinzip der Selektion zwar universalisiert wird, der “genetische Determinismus” aber aufgehoben. Und direkt lustig findet er, dass Blackmore über die Hintertür die Erlösung reinlässt: Der Mensch könne sich nämlich von der Memen-Abhängigkeit befreien. Ob Blackmore sagt, wie, verrät Mayer nicht.
3) H. und St. Rose: `Alas, Poor Darwin` und `Darwin: Ausdruck der Gemütsbewegungen`
Klar, dass Mayer das Erscheinen des Bandes “Arguments against Evolutionary Psychology” begrüßt (nur auf Englisch, 17.99 engl. Pfund). Dort werden die “Schwächen des Ansatzes unbarmherzig … durchdekliniert” und Mayer schickt bissig hinterher, dass jüngst aus der EvoPsycho-Ecke die “Vergewaltigung … zur Sicherung der Reproduktion von benachteiligten Männern” bezeichnet wurde. Eine Möglichkeit der Kritik bietet für ihn (wie für Thomas P. Weber) aber auch Darwin selbst. Für den war das Prinzip der Selektion “nicht der einzige Weg der Veränderung”. Und über die “Gemütsbewegungen” hat er nur spekuliert - wissentlich.

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