Als Charles Darwin im Jahr 1859 seine Theorie einer Evolution der Arten durch natürliche Auslese veröffentlichte, sah er bereits eine große Debatte voraus, jedoch nicht deren Ausstrahlungskraft und Langlebigkeit.
Zu Beginn standen die Folgen für die Wissenschaften, den Glauben an Gott und die Moralvorstellungen im Vordergrund. Bald kamen Überlegungen über Gesellschaft, Politik, internationale Beziehungen und über Eingriffe bis hinunter auf die Ebene des Individuums und seines Erbmaterials, seiner Gene hinzu. Sozialdarwinismus, Eugenik, Rassismus galten zeitweise als wissenschaftlich legitime Diskussions- und Politikfelder. Befürchtungen vor einem vermeintlichen Niedergang lassen sich bis heute angesichts der Biologisierung des Denkens scheinbar wissenschaftlich-objektiv untermauern. Gegenwärtig sind die Kontroversen noch vielfältiger, beziehen weit mehr Menschen ein als im späten 19. Jahrhundert, haben weit gravierendere Auswirkungen.
Die aus elf Ländern stammenden Autorinnen und Autoren zeichnen aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven die Facetten einer spannenden und bis in die Gegenwart hochaktuellen Debatte nach und fragen nach der Zukunft des "Streitfalls Evolution".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2017
Rezensent Helmut Meyer liest den von Angela Schwarz herausgegebenen Sammelband als eine Kulturgeschichte der Evolution. Die über vierzig bebilderten Beiträge führen den Rezensenten von Darwins ersten Vermutungen über die Eugenik bis in die Gegenwart zu Biotechnologie und Gentechnik. Meyer lernt, wie vielfältig die Wirkungen der Evolutionsbiologie sind, dass es sich von Anbeginn um eine von Auseindersetzungen geprägte Geschichte handelt, und ahnt, dass auch ein verbessertes Bildungswesen die Kreationisten nicht mundtot machen konnte. Ein stattlicher Band voll interessanter Einzelheiten, meint er.
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