Aus dem Französischen von Melanie Walz. Mit Nachwort von Tilman Krause. Wer Charles Baudelaire ausschließlich als Verfasser der dunkel-brillanten Gedichte aus "Die Blumen des Bösen" kennt, lässt sich ein wahres Lesevergnügen entgehen. In seinen geist- und pointenreichen Essays vergleicht Baudelaire die unterschiedlichen - und nicht gleichermaßen empfehlenswerten - Wirkungen von Wein und Haschisch, gibt jungen Schriftstellerkollegen Tipps zum Umgang mit Gläubigern, schildert seine Begeisterung nach der ersten Aufführung einer Wagner-Oper in Paris oder erteilt Ratschläge, wie man das Glück in der Liebe finden kann. Der feinsinnige Ästhet begegnet uns als ironischer Lebenskünstler, als hellsichtiger Literaturkritiker und als wortmächtiger Protagonist der Pariser Boheme. Gebunden in dunkelroten Samt mit Glanzfolienprägung, ist der Band zudem ein bibliophiler Hingucker.
Ganz berauscht hat Rezensent Tobias Schwartz diesen Band gelesen, der unter anderem Baudelaires Essay "Wein und Haschisch" von 1851enthält. Schon Baudelaire war trotz aller erfahrenen Glückseligkeit gegen eine Legalisierung von Haschisch, lernt der Kritiker hier, der sich von dem "Sänger des Spleens und des Ennui" erklären lässt, wie angesehene Justizbeamte unter Drogen begannen, "ausnehmend unanständige Cancans" zu tanzen. Vergnügt liest Schwartz außerdem Baudelaires Essay über die Wirkung von Wagners "Tannhäuser", seine Polemik gegen Flaubert und den Realismus oder die Ausführungen über Kinderspielzeug, vermisst aber einen Text zur Bildenden Kunst. Immerhin klärt Tilman Krause in seinem instruktiven Nachwort über Delacroixs Bedeutung für Baudelaire auf, meint der versöhnlich gestimmte Kritiker.
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