Chalmers Johnson

Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie

Cover: Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie
Karl Blessing Verlag, München 2003
ISBN 9783896672261
Gebunden, 478 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Beklemmend ist die militärische Präsenz der Amerikaner: In 139 Staaten haben sie 211.000 Soldaten stationiert, 26000 Soldaten tun Dienst auf Schlachtschiffen auf allen Weltmeeren. Und keine Regierung der betroffenen Länder kann über diese befreundete Besatzungsmacht Kontrolle ausüben. So wurde in den vergangenen Jahrzehnten aus einem Land, das als Wiege der Demokratie gilt, ein Imperium, das mit wachsendem Einfluss seine demokratischen Grundwerte und Überzeugungen über Bord warf. Der Autor überzieht diese Politik, die zynisch die Überlegenheit der Supermacht betont, mit harter Kritik. Die Verachtung der "Bush-Krieger" für die UNO, ihr Widerstand gegen das Kyoto-Protokoll, die Ablehnung des Internationalen Strafgerichtshofs sind Beweise für ihre pervertierte Haltung zu den Grundwerten der amerikanischen Verfassung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2004

Detlef Junker stellt in einer kurzen Sammelbesprechung mehrere Bücher, die sich den kontraproduktiven Aspekten der amerikanischen Politik widmen. Zum derzeit härtesten Kritiker der Regierung George W. Bushs erklärt er Chalmers Johnsons, der, wie Junker darstellt, den Aufstieg der USA zur Supermacht von einer "Pervertierung der amerikanischen Demokratie" begleitet sieht, worunter Johnson die Selbstentmachtung des Kongresses, den Verlust bürgerlicher Freiheiten und den finanziellen Ruin des Landes versteht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2003

Herfried Münkler hat an diesem Buch von Chalmers Johnson vor allem dessen Einseitigkeit auszusetzen. Über weite Strecken beschreibe Johnson die amerikanische Imperiumsbildung und die damit verbundenen Probleme "anschaulich und empiriegesättigt". Johnson mache die Dynamik des imperialen Prozesses aber ausschließlich an inneren Faktoren fest, kritisiert Münkler, während doch auch externe Faktoren mit einzubeziehen seien. Er bescheinigt Johnson eine "frappierende Naivität", die die stellenweise "überaus klaren und scharfsinnigen Analysen" konterkariere. Und auch wenn es um Alternativen zur derzeitigen Hegemonialpolitik geht, erweise sich der Autor als unrealistisch, indem er einen klassischen amerikanischen Isolationismus pflege, der aber eben nur funktionieren könne, wenn die imperiale Dynamik nicht auch externe Ursachen hätte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2003

Seit dem Ende des Kalten Krieges, umreißt Christian Kind den Kontext dieses Buches, hat sich das Verhältnis Amerikas zum Rest der Welt gewandelt, und seit dem 11. September tritt das neue Auftreten der einzigen verbliebenen Weltmacht auf der globalen Bühne deutlich zutage: in eigenmächtig geführten Feldzügen und der Missachtung von UN-Resolutionen. Die einen - Bush und das Pentagon - sehen darin eine notwendige Anpassung einer "traditionellen Politik der Verteidigung der Freiheit" an eine veränderte Weltlage, andere interpretieren den "Krieg gegen den Terrorismus" als Ausdruck eines "rücksichtslosen Unilaterismus". Chalmers Johnson allerdings schieße mit seiner These vom "Selbstmord der amerikansches Demokratie" wohl etwas über das Ziel hinaus, zumal er dem Rezensenten zufolge die Hysterie des Titel keineswegs mit einer gelungenen Argumentation auf feste Beine zu stellen vermag. Stattdessen: Fakten, Fakten, Fakten über amerikanische Militärstützpunkte in allen Weltgegenden.
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