Richard Wagner

Habseligkeiten

Roman
Cover: Habseligkeiten
Aufbau Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783351030278
Gebunden, 281 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Die Beerdigung des Vaters ist der Anlass für Werner Zillich, sich die Geschichte seiner Familie vor Augen zu führen, einer schwäbischen Handwerkerfamilie im Banat. Die Müller, Pferdehändler oder Hausfrauen hatten keinerlei Einfluss auf das Weltgeschehen, dennoch hat es ihr Leben folgenreich beeinflusst. So berichtet Zillich vom Abenteuer einer Amerika-Auswanderung im 19. Jahrhundert und vom Liebesentzug eines zurückgelassenen Kindes; er erzählt von einer heimlichen Liebe im Arbeitslager der Nachkriegszeit und von der käuflichen Lust junger ungarischer Prostituierter unserer Tage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.05.2006

Das ist die Banater Variante einer "Recherche du temps perdu", jubelt Carsten Hueck. Autobiografisch inspiriert erzählt Richard Wagner von einem Bauingenieur, der sich aufmacht, seine rumänischen Wurzeln zu erkunden und währenddessen die zerfaserte Geschichte seiner wanderfreudigen Familie in den vergangenen 200 Jahren rekonstruiert. Wegen der Fülle an Schauplätzen und den oft unbekannten Einzelheiten ist dabei kein traditioneller Familienroman herausgesprungen, informiert Hueck, sondern eher eine "schräge, zeitgemäße" Vermischung mit dem Heimatroman. Sowohl inhaltlich als auch chronologisch wird wild hin und her gesprungen, was dem Rezensenten aber angesichts der Umstände nicht nur angemessen, sondern sehr passend vorkommt. Und da Wagner es schaffe, Bewegendes zu beschreiben, ohne dabei sentimental zu werden, erklärt Hueck diese belletristische Chimäre zu einem gelungenen Beispiel literarischer Evolution.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2005

Konsequent und hartnäckig verfolgt der Autor sein Thema, lobt Wolfgang Schneider. Absolut lesenwert findet er den neuen Roman von Richard Wagner, der wieder einmal das Schicksal Rumäniendeutscher beleuchtet. Werner Zillich, der unter Ceausescu ausgewandert war, kehrt nach Jahren in sein Heimatdorf zurück, weil der Vater gestorben ist. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Zillich blättert das Familienalbum durch und gibt sich seinen Erinnerungen hin, durch das kleine Dorf weht die Weltgeschichte. Gleichzeitig wird der Bauingenieur in eine Pornofilmproduktion hineingezogen, durch die sich "nützliche Geschäftskontakte" ergeben. Die nüchterne Schreibart Wagners bewähre sich besonders bei der Beschreibung der zum Teil schweren Familienschicksale im Sog weltgeschichtlicher Vorgänge, schreibt der Rezensent. Da aber der Dorfalltag ähnlich trocken beschrieben wird, fühlte sich Schneider bisweilen auf der "falschen Familienfeier". Dies wie auch der lässige Ton, der zum Teil gewollt oder die Dialoge, die gekünstelt wirken, lässt er Wagner aber gerne als Kunstfehler durchgehen. Denn der Autor hat nicht nur ein Thema, sondern auch wirklich etwas zu erzählen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.02.2005

"Habseligkeiten" ist ein "Heimatroman ohne Heimat" und ein "Familienroman", in dem die Familienbande sich längst aufgelöst haben, charakterisiert Ralf Berhorst den Roman von Richard Wagner. Im Mittelpunkt dieser vier Generationen umfassenden Geschichte steht der rumänisch-deutsche Bauingenieur Werner Zillich, der von seinem Wohnsitz in Bayern zur Beerdigung seines Vaters ins rumänische Dorf seiner Kindheit reist. Der Rezensent ist ziemlich beeindruckt, wie der Autor mit "lakonischer Sprache", die Hauptsätze unverbunden nebeneinander stellt, durch die Vergangenheit der Familie führt. In der Episode, die von der gescheiterten Amerika-Auswanderung der Urgroßeltern erzählt, sieht Berhorst gar einen "Hamsun-Roman" versteckt. Auch der zweite Erzählstrang des Romans, der in einer Art "Roadmovie" die in "verwegener Künstlichkeit" erzählte Rückfahrt Zillichs nach Bayern schildert, zieht den Rezensenten nach anfänglichem "Widerstand" ganz in ihren Bann und er lässt sich von der "charmanten Unwahrscheinlichkeit" der Begebenheiten einfangen. Wagner, der in dieser Geschichte ohnehin mit dem "Genre des Heftchen- und Heimatromans" spielt, lässt das Ganze dann am Ende in ein "Familienidyll auf den Seychellen" münden, das das Happyend eines Groschenromanen noch "ironisch" überbietet, stellt Berhorst beeindruckt fest.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2005

Nicht ganz überzeugt zeigt Rainer Moritz von Richard Wagners Familienroman "Habseligkeiten", der den Weg der von den politischen Ereignissen arg gebeutelten Familie Zillich aus dem rumänischen Teil des Banats in die neue fränkische Heimat verfolgt. Moritz hält dem Autor zu Gute, ohne Idyllisierung und "triefende Gefühligkeit" zu erzählen. Am stärksten findet er den Roman, wenn Wagner in einfachen Sätzen den Bauern- und Handwerkeralltag festhält und die fruchtbare Landschaft der Banater Kornkammer beschreibt. Die Schwächen des Romans sieht er vor allem in dessen zweiten Teil, wo das Leben Zillichs eine "märchenhafte, nein, besser: absonderliche Wendung" nehme. Auf die Nerven gehen dem Rezensenten die Raisonnements des Erzählers gegen die ungerechten westlichen Justizmühlen und die perfiden Tricks von Frauenmagazinen. In diesem Zusammenhang stellt Moritz fest: "Habseligkeiten" sei ein Familienroman, der um jeden Preis auch Zeitroman sein wolle. "Und dieser Brückenschlag misslingt."