Carsten Kretschmann (Hg.)

Wissenspopularisierung

Konzepte der Wissensverbreitung im Wandel
Cover: Wissenspopularisierung
Akademie Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783050037707
Gebunden, 410 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Seit geraumer Zeit versteht die Wissenschaftssoziologie die Erzeugung und Verbreitung von Wissen als ein Kontinuum, an dem Experten und Laien gleichermaßen teilhaben, wobei sich die Erforschung dieses Kontinuums vorrangig auf die Wissenschaftspopularisierung des 19. und 20. Jhs. konzentriert. Indem der Sammelband die Popularisierung auch des nicht-naturwissenschaftlichen Wissens thematisiert, treten Phänomene in den Blick, die mehr sind als eine bloße Vorgeschichte moderner Wissenschaftspopularisierung. Die Beiträge, die unterschiedlichen Disziplinen wie der Geschichtswissenschaft, der Ethnologie oder der Soziologie entstammen, knüpfen an die Popularisierungsforschung der letzten Jahre an, gehen aber substantiell über sie hinaus: Sie fragen nach Strukturen, Motiven und Bedingungen von Popularisierungsprozessen in spezifischen historischen Konstellationen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2003

Wissensgesellschaften sind keine Erfindung der Neuzeit, betont Thomas Brechenmacher zu Beginn seiner Besprechung des Sammelbandes "Wissenspopularisierung", betreut vom Frankfurter Sonderforschungsbereich "Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel". Hier treffen Historiker, Soziologen, Ethnologen, Kunst- und Religionsgeschichtler zusammen, deren Ziel es ist, erläutert Brechenmacher, den verengten Horizont der bisherigen Popularisierungsforschung zu erweitern. Es gehe dabei schon längst nicht mehr um die Weitergabe rein technisch-naturwissenschaftlichen Wissens, sondern auch um die Überlieferung durch Musik, bildende Kunst, Philosophie, Religion etc. Eine der Hauptthesen des Buches laute, fasst der Rezensent zusammen, dass die Wissenspopularisierung kein einseitiger Prozess von oben nach unten, von wenigen an viele ist, sondern ein Modell wechselseitiger Kommunikation beschreibe, innerhalb dessen sich auch das Wissen selbst verändere. Eventuell sei dieser Popularisierungsbegriff zu optimistisch, kritisiert Brechenmacher, zeigt sich aber ansonsten sehr beeindruckt von den Ergebnissen dieses Sammelbandes, der erfolgreich angetreten sei, bisherige Denkpfade zu verlassen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.05.2003

Der Rezensent mit dem Kürzel "tth" widmet sich nur einem Aufsatz in dem Sammelband "Wissenspopularisierung", nämlich Thomas Kailer Medienanalyse des Falles Haarmann. Kailer gelinge es, das zeitgenössische Bild des Serienmörders Fritz Haarmann in den Zeitungen als eine konstruierte "mediale Kriminalität" zu entlarven. Das Schweigen Haarmanns, beziehungsweise seine Unfähigkeit sich auszudrücken, führte dazu, dass es keine "normalen" Erklärungsmuster wie Rache oder Habgier" für seine Taten gab. Die medialen Konstrukteure füllten diese Lücke auf, indem sie "Erkenntnisse der forensischen Psychiatrie mit lebensweltlichen Erfahrungen vermischt und so ein selektives Wissen" verbreiteten, um den Morden einen Sinn zu geben.
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