Byung-Chul Han

Transparenzgesellschaft

Cover: Transparenzgesellschaft
Matthes und Seitz, Berlin 2012
ISBN 9783882215953
Gebunden, 96 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Kaum ein anderes Schlagwort beherrscht heute den öffentlichen Diskurs so sehr wie die Transparenz. Sie wird vor allem im Zusammenhang mit der Informationsfreiheit emphatisch beschworen. Wer aber die Transparenz allein auf moralischer Ebene thematisiert und sie etwa auf Fragen der Korruption reduziert, verkennt ihre Tragweite. Die Transparenz ist ein systemischer Zwang, der die gesamten gesellschaftlichen Prozesse erfasst und sie einer gravierenden Veränderung unterwirft. Das gesellschaftliche System setzt heute all seine Prozesse einem Transparenzzwang aus, um sie zu operationalisieren und zu beschleunigen. Der Imperativ der Transparenz macht uns außerdem zu Sklaven der Sichtbarkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2012

Wenn alle Welt mehr Transparenz verspricht, vom vertriebenen Bundespräsidenten Christian Wulff bis zur Piratenpartei, dann ist dem Rezensenten Kritik an der Transparenz erst einmal sehr sympathisch. Dem Karlsruher Philosophen Byung-Chul Han ist sie deshalb ein Gräuel, weil sie in seinen Augen nicht die kritische Auseinandersetzung vorantreibe, sondern Ausleuchtung. Ziel des Transparenzzwangs sei die totale Operationalisierung und Beschleunigung. Einer solchen kapitalismuskritischen Sicht auf die Transparenz mag der Rezensent schon weniger folgen, und wenn Han dann die Erotik der Intransparenz gegen die pornografische Transparenz stellt, der Unschärfe und dem Arkanen huldigt, dann fragt sich Ebbinghaus, ob seine politische Theorie nicht noch affirmativer sei als die der Piraten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.03.2012

Tim Caspar Boehme stutzt erst einmal über Byung-Chul Hans zentrale These, derzufolge Transparenz ein bestehendes politisches System stabilisiere und keineswegs, wie von Wikileaks oder Piratenpartei behauptet, zur Gestaltbarkeit von Demokratie beitrage. Doch plausibel oder zumindest bedenkenswert findet der Rezensent Hans Kritik der Transparenz, im Sinne einer "universalisierten Entblößung" verstanden, als Bestandteil einer Kultur der Selbstdisziplinierung ähnlich Jeremy Benthams Entwurf des Panoptikums, einem auf maximale Sichtbarkeit hin angelegten Gefängniskonzepts, dann aber doch: Das "Soziale" werde in einer Gesellschaft, die sich zusehends in Facebook formiert, "ausgebeutet" und, wie der Rezensent Han selbst zitiert, zu einem "funktionellen Element des Produktionsprozesses degradiert und operationalisiert". Allein die "quasi-apokalyptische" Ausrichtung des Buches kommt Boehme "etwas fugenlos kulturpessimistisch" vor.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Norbert Gstrein. Im ersten Licht - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Norbert Gstrein: Im ersten Licht
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…
Jana Hensel. Es war einmal ein Land - Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Aufbau Verlag, Berlin, 2026.Jana Hensel: Es war einmal ein Land
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun…
Robert Menasse. Die Lebensentscheidung - Novelle . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Robert Menasse: Die Lebensentscheidung
Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.…