Aus dem Amerikanischen von Karl Nicolai. Ausführliche Interviews mit über 400 überlebenden deutschen Soldaten jüdischer Abstammung, unter ihnen Helmut Schmidt, Egon Bahr und Wolfgang Spier, und mit ihren Verwandten bilden die Basis für Riggs bewegende Darstellung. Die Interviewten machten ihm unschätzbares Quellenmaterial zugänglich, das bis dato völlig unbekannt oder unbeachtet geblieben war. Intensive Archivstudien erschlossen weitere wichtige Dokumente. Rigg verfolgt ihre Schicksale unter drei leitenden Fragestellungen: Wie konsequent wurde die NS-Rassenpolitik in Heer, Luftwaffe und Marine durchgeführt? Wie ging die Wehrmacht mit den Betroffenen um? Und vor allem: Welche Motive hatten Deutsche jüdischer Herkunft, die Uniform eines Regimes zu tragen, das sie und ihre Verwandten mit Unterdrückung und Tod bedrohte?
Beate Meyer hat sich bei der Lektüre dieses Buches maßlos geärgert. Schon den Titel bezeichnet sie als "veritables Ärgernis", da es sich bei den Wehrmachtsangehörigen nicht um Juden gehandelt habe, sondern um von der NS-Regierung so klassifizierte "Mischlinge", stellt die Rezensentin klar. Über die Spekulationen des amerikanischen Autors, der von einer Zahl von 150.000 "Mischlingen" in der Wehmacht ausgeht, indem er eine "Nettofortpflanzungsrate" zugrunde legt, kann Meyer nur den Kopf schütteln, denn sie widerspricht allen Quellen. Riggs Dissertation bietet ansonsten kaum Neues, kritisiert die Rezensentin. Insbesondere die "NS-internen Auseinandersetzungen" über "Mischlinge" in der Wehrmacht würden von der Studie nicht aufgeklärt. Als geradezu absurd erscheinen der erbosten Rezensentin die Überlegungen des Autors zu Hitlers Gründen, "Mischlinge" in der Armee zu halten und zu "arisieren". Seine Spekulation über eine mögliche jüdische Herkunft Hitlers und dessen "Angst vor Enttarnung" können sie nicht überzeugen. Sie glaubt, dass Rigg mit seinem Buch vor allem mit "Sensationen locken" will, aber im Grunde gar nichts Sensationelles zu bieten hat, weil das Faktum, dass es in der Wehrmacht "Mischlinge" gegeben hat, hinlänglich bekannt sei. Wenigstens die Interviews mit "Mischlingen" aus der Wehrmacht bieten einige "Einsichten in das Innenleben der Betroffenen", räumt die Rezensentin ein, doch das reicht längst nicht aus, um sie mit dieser Studie zu versöhnen.
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