Birgit Beck

Wehrmacht und sexuelle Gewalt

Sexualverbrechen vor deutschen Militärgerichten 1939-1945
Cover: Wehrmacht und sexuelle Gewalt
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2004
ISBN 9783506717269
Gebunden, 370 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Ausgehend von den Voraussetzungen der deutschen Straf- und Militärgerichtsbarkeit zeigt die Autorin die rechtlichen Grundlagen für die Verfolgung von Sexualstraftaten deutscher Soldaten auf, beleuchtet im direkten Vergleich zwischen West- und Ostfront die Anklagen sowie die jeweiligen Tatumstände und analysiert die Urteile und die wechselnden Kriterien für die Strafbemessung. Darüber hinaus ermöglicht sie anschauliche Einblicke in den Ablauf der Verfahren: Anhand von ausgewählten Fällen stellt sie dar, wie sich Angeklagte, Opfer und Richter sowie Zeuginnen und Zeugen vor Gericht verhielten, welche Fragen gestellt und welche Antworten gegeben wurden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2005

Rundum überzeugend findet Rezensent Johannes Hürter diese "vorzügliche" Studie über Sexualverbrechen von Wehrmachtsangehörigen von 1939 bis 1945, die die Berner Historikerin Birgit Beck vorgelegt hat. Die Autorin habe die Verfahren deutscher Kriegsgerichte gegen Sexualstraftäter während des Zweiten Weltkriegs erstmals umfassend ausgewertet. Im Ergebnis sieht Hürter keine Bestätigung für gängige Schwarzweißthesen, weder für die Annahme einer "faktischen Straffreiheit" für sexuelle Gewalt noch für die gegenteilige Behauptung ihrer überwiegend "harten" Ahndung. Vielmehr ergibt sich nach Hürters Ansicht ein wesentlich differenziertes Bild. Danach wurde sexuelle Gewalt von der Wehrmacht oft bestraft, aber auch ebenso häufig bagatellisiert und teilweise geduldet. Allerdings fehle jeder Nachweis dafür, dass die deutsche Seite sexuelle Übergriffe als Kriegsmittel akzeptiert oder sogar bewusst als Kriegsstrategie eingesetzt hätte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2004

Der von Wehrmachtsangehörigen begangenen Sexualverbrechen im Zweiten Weltkrieg nimmt sich die Historikerin Birgit Beck in ihrer Dissertation "Wehrmacht und sexuelle Gewalt" an. Das Quellenmaterial, auf das sie sich dabei stützt - Akten aus Freiburger, Berliner und Kornelimünsterer Bundesarchiven - gibt die betont sachliche Haltung des Werkes vor. Als entscheidende Erkenntnis kann Rezensentin Bea Lundt mitteilen, dass sexuelle Übergriffe von deutschen Soldaten auch in den besetzten Ostgebieten keineswegs vertuscht wurden. Es gab durchaus Strafverfolgung, denn man fürchtete in der Führung um das Ansehen der Truppe - und man fürchtete Geschlechtskrankheiten. 5349 Soldaten wurden in den sechs Kriegsjahren wegen "Sittlichkeitsvergehen" verurteilt - im Vergleich zu anderen Delikten eine geringe Zahl. Der typische Täter, den die Autorin ermittelt hat, war 27 Jahre alt und verheiratet, nicht viel älter als sein typisches Opfer, eine Zivilistin aus den besetzten Gebieten. Allerdings unterstellten die Gerichte den vergewaltigten Frauen grundsätzlich eine Mitschuld; zudem wurde unterschieden in "ehrbare" und "nicht-ehrbare" Frauen. Insgesamt gelangt die Rezensentin zu dem Fazit: "Eine sorgfältige und wissenschaftlich wegweisende differenzierte Überblicksdarstellung".
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