Unter den verbrecherischen Befehlen des Dritten Reiches nimmt der "Kommissarbefehl" eine herausragende Stellung ein. Er machte dem deutschen Ostheer schon im Vorfeld des Überfalls auf die Sowjetunion Kriegsverbrechen offen zur Pflicht: Gefangene Polit-Offiziere aller Ebenen waren als "Träger des Bolschewismus" "grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen". Bis heute noch wird in der Öffentlichkeit bestritten, dass die Wehrmacht diesen berüchtigten Führererlass über "Einzelfälle" hinaus befolgt hat. Sie hat ihn befolgt, tausendfach, das ist die sorgfältig belegte Antwort dieses grundlegenden Buches, das erstmals sämtliche verfügbaren Quellen auswertet. Gestützt auf das Aktenmaterial aller Frontverbände, die 1941/42 im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion eingesetzt waren, zeichnet Felix Römer zunächst nach, wie die Kommissarrichtlinien vor Beginn des "Unternehmens Barbarossa" im Ostheer weitergegeben, kommuniziert und aufgenommen wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2010
Eine Gesamtanalyse von Hitlers Kriegsführung im Ostfeldzug scheint dem Rezensenten überfällig. Dass sich Felix Römer mit diesem Band der Herausforderung stellt, begrüßt Bruno Thoss. Die Arbeit hält er für die bislang umfangreichste Auswertung der Akten und eine differenzierte Analyse der Abläufe und Ergebnisse, die Thoss unter zwei leitenden Fragestellungen angeht: Wie exemplarisch war eine reibungslose Durchführung im Ostheer tatsächlich? Und welcher Grad an Abweichungen lässt sich feststellen? Für Römer dreht sich dabei alles um die Frage der Akzeptanz der Kommissarrichtlinien bei der Führung und den Soldaten. Thoss nutze den Kenntnisstand über die Befehlslage und verbinde sie mit der Problematik einer gezielten Vernichtungspolitik. Laut Römer bietet der Band ferner eine Typologie der Akten, um Schwankungen der Überlieferung (charakteristische Sprachregelungen, Verschleierung) und den Grad der Bereitschaft zu befehlskonformem Verhalten festzustellen.
Als "grundsolide" bewertet Rezensent Wolfram Wette diese "preisgekrönte Dissertation" zur Wehrmachtsgeschichte und Hitlers berüchtigtem "Kommissarbefehl" über die Behandlung sowjetischer Armeeangehöriger nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, der Felix Römer zufolge "ein glatter Mordbefehl" gewesen sei. Auch bedauert der Rezensent, dass dieses wissenschaftliche Werk nicht schon früher erschien. Denn die Klarheit, die es mit seiner Verdüsterung des Wehrmachtsbildes bringen würde, komme fast zu spät, da die Generation der Wehrmachtsapologeten bereits abgetreten sei. Wette lobt die intensive Fleißarbeit des jungen Kieler Historikers, der akribisch und detailversessen sich durch die relevanten Akten gearbeitet habe und neben bedrückenden Fakten auch ein Stück Mentalitätsgeschichte der Wehrmacht sichtbar werden lasse. Auch der Anhang, in dem Römer noch einmal seine Recherche-Ergebnisse höchst nachvollziehbar aufgelistet habe, trägt zum ausgezeichneten Gesamteindruck bei.
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