Wer sucht, der findet noch heute in den Depots einiger Museen lebensgroße Menschenfiguren, mit denen um 1900 Angehörige der so genannten "Naturvölker" nachgebildet und dem europäischen Publikum präsentiert wurden. Wer stellte sie vor, wo und warum? Ging es um bloße Volksbelustigung, um politische Propaganda oder um ein lukratives Geschäft? Waren wissenschaftliche Interessen im Spiel? Welche Geschichte verbirgt sich in den Figuren? Während der deutschen Kolonialzeit und darüber hinaus dienten die "Menschenbilder" zu Ausstellungszwecken aller Art. Eine Hamburger Händlerfamilie mit dem sprechenden Namen Umlauff stellte sie her - nach zeitgenössischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den herrschenden ästhetischen Standards der Naturtreue. Das Wirtschaftsunternehmen wies seine Menschenbilder als "lebensecht" aus: Sie sahen echt aus, waren es aber nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2007
Britta Lange ergänzt mit ihrer Unternehmensgeschichte des größten deutschen Tierpräparate- und Naturalienhandels von Johann Friedrich Gustav Umlauff die umfangreiche Literatur zum Thema um die wirtschaftliche und damit oft auch dunkle Seite von Sammlungen, stellt Julia Voss interessiert fest. Die 1868 gegründete Firma J. F. G. Umlauff beschaffte Tierpräparate, Felle, Schädel und Skelette, Korallen oder Pflanzen und belieferte damit Privatsammler, Museen und das Schaustellergewerbe, später auch die Filmindustrie, informiert die Rezensentin. Besonders aufschlussreich findet Voss die Darstellung des Einflusses, der das Sammeln auf die Völkerkunde hatte und sie hebt in diesem Zusammenhang die von Umlauff erfundene "Lebensgruppe" hervor, die die Völkerkundemuseen eroberten. Brisanz zeigt die Untersuchung, wenn beispielsweise das Hamburger Völkerkundemuseum, das nicht wenige Stücke der Firma besitzt, Einsicht in einige Akten verweigert, so die Rezensentin, die das Buch trotz dieser Hindernisse brillant findet.
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