Über die Bedeutung der christlichen Missionierung für die Verbreitung zivilisatorischer Neuerungen im Wechselspiel mit europäischen Expansionsbestrebungen und dem Drang nach regionaler Selbstbestimmung gab es bisher keine Untersuchungen. Daher stehen im Zentrum der Ausführungen zum einen die Bemühungen einer katholischen Mission aus Portugal im 17. Jahrhundert sowie die vergleichbaren britisch-protestantischen Versuche im 19. Jahrhundert auf Madagaskar. Die Reaktion der einheimischen Herrscher, die keineswegs naiv auf die Fremden reagierten, sondern erfolglos deren Ziele für regionale Machtinteressen zu nutzen suchten, wird ebenfalls geschildert. Dabei wird der Frage nach dem Wechselspiel neuzeitlicher regionaler und globaler Vernetzungen nachgegangen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.10.2002
Franz Ansprenger ist begeistert. In seiner langen Besprechung über Dagmar Bechtloffs Rekonstruktion der Geschichte und Missionierungsversuche der Madagassen zeichnet er die wechselhafte Geschichte dieses Inselstaates nach und ist beeindruckt, dass die Autorin ein "weltpolitisches Dreieck" gefunden hat, innerhalb dessen die Machtverhältnisse auf Madagaskar deutlich würden. Dieses Dreieck bestehe, referiert Ansprenger, aus dem "Selbstbehauptungswillen" des "afro-asiatischen Regimes", aus einem "Ungeist des Rassismus" westeuropäischer Prägung und schließlich aus den christlichen Kirchen, die stets einen "opportunen Schulterschluss" mit den "weltlichen Triebkräften" ihrer "Wirtsvölker" gepflegt hatten. Die Entstehung dieses Dreiecks werde, verspricht der Rezensent, "schwungvoll", "faktenreich" und "präzise" erzählt. Manche Wiederholung mag zwar zunächst irritieren, so Ansprenger, sei aber, um den ganzen Prozess zu verstehen, letztlich unerlässlich.
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